Donnerstag, 28. Februar 2013

Augeschlossen von den Sakramenten

Jede dritte Ehe wird in Deutschland geschieden, in Städten sogar jede zweite. Christliche Ehen sind von dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen. Viele Geschiedene wollen auf Dauer nicht alleine leben und binden sich neu. Heiraten sie wieder, hat das für Katholiken weitreichende Folgen. Sie werden ihr Leben lang, laut Kirchenlehre, vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen. „Die Kirche sei hart und unbarmherzig im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen“, stellen nicht nur viele der anwesenden Gläubigen beim letzten „forum thomas Gespräch“ in Göppingen fest. Wie es zu der für viele unverständlichen Position der katholischen Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe kam und was sich ändern könnte, erläuterte der Fachreferent Dr. Norbert Reuhs, Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat Rottenburg, der vormals fünf Jahre lang in der Seelsorgeeinheit Göppingen St. Maria und Christkönig als Pastoralreferent tätig war. In seinem Vortrag hält er fest, dass Jesus nicht den gewünschten Satz liefert: „Ehescheidungen ist erlaubt“, dennoch ist der Weg Jesu nicht reine Kasuistik, sondern bezieht sich auf die Lehre vom Reich Gottes und deshalb dürfen „Geschiedene durchaus Gottesnähe suchen, weil sie der Liebe Gottes bedürftig sind“. Dass die Tendenz der Scheidungen stetig steigt, ist allenthalben bekannt. Es mag daran liegen, so der Referent, „dass Menschen länger leben, das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau sich geändert hat und auch die bislang als Zweckgemeinschaft oder Vernunftehe geführte Gemeinschaft nicht mehr gegeben ist“. Daraus ergibt sich aber durchaus die berechtigte Frage: „Hat die katholische Kirche dies nicht wahrgenommen und warum muss sie bei der Ehe, die als „Bild der Zuwendung Gottes“ gesehen wird, grundsätzlich festhalten und kann sich nicht den heutigen Gegebenheiten anpassen oder annähern?“ In dem Schreiben „Gaudium et Spes“ Art. 48 wird wohl der Begriff neu definiert „als Gemeinschaft, die das ganze Leben umgreift“, und öffnet einen neuen Zugang, zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder, oder „zur Vermeidung von Schlimmerem“, wie es bereits der Kirchenvater Origines 185 n.Chr. auch schon feststellte. Dennoch die Frage für uns heute bleibt: „Wie kommen wir aus dem Dilemma raus?“ Eine Möglichkeit sei, so der Referent, wir hinterfragen, ob es sich um eine gültige Ehe handelt? Wenn nicht, besteht die Möglichkeit ein „Nichtigkeitsverfahren“ einzuleiten, um zu prüfen, dass die Ehe von vornherein keine Ehe im Sinne der Kirchenlehre war. Eine weitere Möglichkeit sieht Dr. Norbert Reuhs für die Zukunft darin, dass sich die katholische Kirche der Orthodoxen Kirche annähert, die wohl zu dem Prinzip „Scheidung Nein“ halten, aber eine Zuwendung zu den wiederverheirateten Geschiedenen ermöglicht. Dergestalt, dass die Kirche die neue Gemeinschaft akzeptiert und nach einer längeren Bußzeit in einer liturgischen Feier den neuen Bund feststellt und segnet. Fazit der Abendveranstaltung: „Viele Seelsorger, die in ihren Gemeinden mit den seelischen Nöten Betroffener konfrontiert sind, versuchen zusammen mit wieder verheirateten Paaren eine Gratwanderung zwischen Gehorsam gegenüber dem kirchlichen Lehramt und der persönlich beantworteten Gewissensentscheidung zu gehen“.
Felix Müller Dekanatsreferent

Wo ist der Platz der Kirchen?

 

Gesamtgesellschaftliche Veränderungen, bei denen die Individualisierung auch in Glaubensfragen eine immer größere Rolle spielt, stellen den Kirchen die Frage: Wo denn ihr Platz in der heutigen und erst recht in einer künftigen Gesellschaft sein wird?
Der Chefredakteur der „Herder Korrespondenz“ Ulrich Ruh aus Freiburg versuchte eine Standortbestimmung und beklagte beim ökumenischen Studientag vor 30 Teilnehmern in Heiningen zuerst, dass es „ein großer Fehler sei, dass wir von den anderen immer noch nicht viel wissen“. Seine Empfehlung war deshalb: „Nutzen Sie deshalb die Chance auf einander zuzugehen, die die zwei Großereignisse, die den beiden Kirchen ins Haus stehen, bieten: Zum einen das 50-jährige Jubiläum des Zweiten Vatikanisches Konzils, das noch bis 2015 gefeiert wird und die Jubiläumsveranstaltung der Reformation im Jahr 2017. In seiner Einschätzung stellt der Chefredakteur fest: „Wir haben in der BRD einen normalen, höflichen und geschäftsmäßigen Umgang, da beide Großkirchen mit jeweils 30 % paritätisch vertreten sind. Hilfreich ist zudem, dass die christlichen Kirchen in Deutschland gegenüber der Öffentlichkeit immer im Doppelpack vorhanden sind und auftreten - das erleichtert im Wesentlichen die Ökumene. Und die beiden Kirchen sind und bleiben stabile Institutionen, denn keine der gesellschaftlichen Umbrüche hat die beiden Kirchen in ihrem Gehalt wesentlich beschädigt. Dennoch leiden die Kirchen unter massiver Erosion in den Mitgliederzahlen, im Teilnahmeverhalten und erschreckend niedrig sei das Wissensniveau, nicht nur bei Jugendlichen. Spezielle Probleme habe die katholische Kirche in den sittlichen Weisungen der Kirchenleitung, der Abnahme von Klerus und Orden und die Nichtbeachtung kirchlicher Autorität. Die eingeleiteten beiden Gegenmaßnahmen, sei es der 2006 begonnene Reformprozess der evangelischen Kirche mit dem Titel „Kirche der Freiheit“ oder der Dialogprozess innerhalb der katholischen Kirche, der das Vertrauen wieder zurückgewinnen will, sind nach seinem Dafürhalten, „nicht sehr hilfreich, da sie nicht sauber strukturiert sind.“ Das Christentum wird in der Gesellschaft gerade im sozialen und kulturellen Bereich sehr wohl geschätzt, jedoch im religiösen Kern ist vieles nichts mehr selbstverständlich. Die Kirche wird als ein Angebot unter vielen gesehen, dass das Christentum mal vorrangig behandelt wurde ist längst dahin. Christentum ist zu einer persönlichen und Privatsache geworden, zumal „man lässt sich in die private Lebensführung nicht mehr hineinreden“. Am konkreten Beispiel der Taufe wird dies deutlich: „Sie wird nicht mehr als Eingliederung in die Kirchengemeinschaft gesehen, sondern wird mehr und mehr als Familienfest zelebriert“. Er sieht zwei Möglichkeiten: „Entweder man rückt näher zusammen oder man beschränkt sich auf den eigenen Laden.“ Es wäre für ihn das Gebot der Stunde „vom Anderen zu lernen“. Austausch und Lernen werde angesagt, sowohl im Bereich Gemeindearbeit, neue Orte der Pastoral suchen, Evangelisierung, Reform der Gottesdienste und die Qualität der Predigt zu verbessern. Die Lernbereitschaft könnte helfen, über die klassischen strittigen Punkte von Amt und Eucharistie hinweg zu kommen und die Sachlage entspannter über den indirekten Zugriff aufzulösen und so an einem neuen „Kirchenbild“ zu arbeiten.
Wie Kirche für die Zukunft wirklich aussieht, kann er selbst nicht beantworten, aber so viel ist ihm klar: „Ganz gleich, welcher Papst gewählt wird, es geht nichts mehr ohne Ökumene. Ökumene bleibt auf der Tagesordnung und kann nicht blockiert werden.“
Felix Müller, Dekanatsreferent

Donnerstag, 29. November 2012

Kirchensteuer ist Vitalitätselexier

Ohne Geld geht nichts! Unumstritten ist sie aber keineswegs, die Kirchensteuer. Kritiker haben dabei grundsätzlich Einwände und argumentieren, dass sie der gebotenen Trennung von Kirche und Staat widerspreche. Die Mitglieder vom „forum thomas“ haben sich dieser Tage mit der Thematik auseinandergesetzt und den Redakteur der kirchenkritischen Zeitung „publik forum“, Thomas Seiterich, zum Gespräch geladen. Der Referent führte aus: „Jede Glaubensgemeinschaft benötigt für ihre Zwecke Geld. Die Sorge für die Gläubigen, ein lebendiges kirchliches Leben, Caritas und solidarische Hilfe gibt es nicht zum Nulltarif.“
Der Zeitungsredakteur erinnerte in seinem Referat an die deutsche Geschichte, die für die christlichen Kirchen ein einmaliges System der Kirchenfinanzierung hervorgebracht hat. „Ausgangspunkt der heutigen Kirchensteuer seien die Enteignungen der Kirche am Ende der napoleonischen Zeit. Die weltlichen Herren, denen das Kircheneigentum in die Hände fiel, sollten zur Entschädigung selbst für eine angemessene Ausstattung der Kirche sorgen. Bald begannen kleinere Territorialstaaten, den Kirchen ein Recht zur Steuererhebung einzuräumen. Das war die Geburtsstunde der Kirchensteuer, die dann in der Weimarer Reichsverfassung rechtlich verankert wurde und dies auch im heutigen Grundgesetz noch ist. Alle Bundesländer haben zur Ausführung die nötigen Landesgesetze geschaffen, deshalb schwanken die Prozentzahlen.“
Seiterich weiter: „Die Kirchensteuer macht ja im Wesentlichen die Sozialgestalt von Kirche aus. Deshalb beinhaltet die Thematik letztendlich immer auch das Thema „Kirche“ schlechthin, so wie wir sie uns vorstellen und wünschen.“
Deutschland ist im Vergleich eine sehr reiche Kirche, zumal sie bis zu einem Drittel den Vatikan mitfinanziert. Während man von der Kirche in Frankreich als einer armen Kirche sprechen kann, die aber demzufolge auch keine „Glaubwürdigkeitsprobleme“ hat, denn wer dort mitarbeitet, ist von der Sache Jesu echt überzeugt.
„Da die Kirchensteuer freiwillig sei, müsse man sie so wie einen Vereinsbeitrag sehen“, gibt Seiterich zu bedenken.
Es gäbe nämlich gewaltige Vorteile. „So ermögliche sie eine breite Präsenz, entlastet den Staat beträchtlich und trägt stark zum Gemeinwohl bei.“ Dennoch wird, nicht nur vom Referenten, „mehr Transparenz und Mitsprache über die Verwendung der Gelder“ gewünscht. Dieser Sachverhalt wird in Österreich gewährt. Dort müssen die Bischöfe gegenüber dem Kirchenvolk regelmäßig Rechenschaft über die verwendeten Gelder ablegen. Ebenso in der Schweiz geht das Geld von unten - von den Gemeinden - nach oben zur Diözese und beinhaltet damit eine gute basisdemokratische Regelung. Ergänzt wurde: „Das Kirchensteuersystem in Deutschland ist stark konjunktur- und steuerreformabhängig, jedoch auch sehr bequem, denn die Kirchen ersparen sich den direkten Kontakt mit den Gläubigen. Der Staat selber fährt sehr gut damit, nachdem er selbst drei Prozent der Geldmittel für sich beanspruchen darf.“ Abschließend wurde festgehalten: “Die Kirchensteuer ist keine Steuer des Staates, der Staat verdient nur daran. Politisch also ist das System in absehbarer Zeit nicht in Gefahr. Gleichwohl bleibt das deutsche Verfahren immer ein heikles Thema, dem nur durch Transparenz zu begegnen sei.“

Felix Müller, Dekanatsreferent

Mittwoch, 28. November 2012

Aufbrechen ist die Bewegung des Glaubens

Beim jährlichen biblischen Studientag warb die Referentin Frau Anneliese Hecht vom Katholischen Bibelwerk bei den Hauptamtlichen des Katholischen Dekanats Göppingen-Geislingen: „Wir brauchen Visionen, denn ohne Visionen verkommt das Volk“, wie es bereits im Buch der Sprüche steht.
Selbst renommierte Hirnforscher bestätigen: „Die Kraft der inneren Bilder, die in unserem Gehirn entstehen, sind notwendig für das „Vorwärtskommen“. Nicht nur für die Kirche, gleichwohl selbige insgesamt abnimmt, sondern auch andere Gruppierungen und Gemeinschaften machen sich diesen Sachverhalt zu nutze.
Insgesamt lässt sich feststellen, so die Referentin: “Die „Graswurzelbewegung“ in der Kirche nimmt zu. Immer mehr kleine Gruppierungen entstehen und nehmen zahlenmäßig kräftig zu. „Jeder bringt seine Visionen ein, es werden Leben und Glauben geteilt“. Die weitgereiste Vertreterin des Bibelwerks bestätigt: „Es gibt viele kleine Aufbrüche. man kann es sogar jahreszeitlich deuten: „Die Knospen unter den Zweigen, wir nennen es Herbst, deuten das Neue, den Aufbruch, den Frühling, bereits an“.
In der Bibel lassen sich viele Hinweise finden, die als „Grundhaltung für uns Christen- das ständige Aufbrechen“, gelten.
Biblische Texte haben Menschen von alters her schon immer zum Aufbruch bewegt. Der erste Schritt sei jedoch das „Gottvertrauen“. Wir lernen bereits von den Urvätern und Urmüttern im Glauben, wie es gehen kann. Aufbrechen hat jedoch zwei Dimensionen, zum einem muss ich Altes zurücklassen, ich muss loslassen können, um Neues zu empfangen.
Wir Menschen brauchen auch stets eine geistige Hygiene, damit die Welt verändert werden kann. Menschen, die solche Visionen haben, setzen auf das „Gottvertrauen“, sie bilden überschaubare Gemeinschaften und letztendlich muss das Volk Gottes die Verantwortung selbst übernehmen. Deshalb ist Frau Hecht abschließend überzeugt: „Wir müssen mündige Christen heranbilden, wir können die Probleme nicht den Anderen überlassen und abschieben - denn schließlich und endlich sind es wir selbst „das auserwählte Volk Gottes, hierzu brauchen wir aber mehr Zeit für Gott.“

Felix Müller, Dekanatsreferent


Montag, 19. November 2012

Lammert: Kirchenspaltung muss überwunden werden

Lammert: Kirchenspaltung muss überwunden werden
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die fortdauernde Kirchenspaltung als den „großen Anachronismus unserer Zeit" bezeichnet. Die Zeit sei gekommen, diesen „Skandal der real existieren­den Christenheit" zu überwinden, sagte der CDU-Politiker am 10. November in München. Anlass war das zehnjährige Bestehen der Eugen-Biser-Stiftung, wo der Katholik mit dem nach dem Religionsphilo­sophen benannten Preis geehrt wurde. Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit der Christen geht nach Ansicht Lammerts jeden an. Sie müsse eine Sorge der ganzen Kirche sein, der Bischöfe und der Laien. Zwar sei er fest überzeugt, dass die Einheit wiederhergestellt würde, weil er den Heiligen Geist für stärker halte als die Theologie. Er fürchte jedoch, dass dies später der Fall sein werde als eigentlich möglich: „Die Begabung, an Zweit- und Drittrangigem festzuhalten, führt dazu, das Wesentliche aus dem Auge zu verlieren." Kritisch setzte sich der Bun­destagspräsident mit dem Zustand der katholischen Kirche 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auseinander. Damals hätten die Menschen eine Kirche im Aufbruch und der Öffnung zur Welt erlebt. Nie sei die Identifikation der Gläubigen mit ihrer Kirche so stark gewesen wie in diesen Jahren. Heute erlebten sie statt Aufbruch und Erneuerung Stagnation und Angststarre.
Lammert sprach von ei­ner „riesigen Zahl von engagierten Frauen, die von der Kirche nicht gewollt würden".
  KNA/13. November 2012

„Möge das Jahr des Glaubens auch ein Beitrag zum Fortschritt auf dem ökumenischen Weg sein”.

Die Einheit der Christen als Antwort auf die spirituelle Armut unserer Zeit
Möge das Jahr des Glaubens ein Beitrag zum Fortschritt des Ökumenismus werden
Von Salvatore Cernuzio
VATIKANSTADT, 16. November 2012 (ZENIT.org).- „Ein authentischer Weg der Ökumene kann nicht gegangen werden, wenn die in weiten Teilen der Erde herrschende Glaubenskrise ignoriert wird, von der auch jene Regionen betroffen sind, die die Verkündigung des Evangeliums zuerst aufnahmen und in denen das christliche Leben jahrhundertelang blühte”. Diese Botschaft richtete Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer an der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, die er am Vormittag des 15. November 2012 in Audienz empfangen hatte. Der Papst betonte, dass zugleich viele Zeichen auf ein Fortbestehen des Bedürfnisses nach Spiritualität hindeuten. Laut Benedikt XVI.  seien diese Zeichen vielgestaltig und können daher nicht außer Acht gelassen werden.
Den Anlass für seinen Appell lieferte dem Papst das Thema der Vollversammlung des Dikasteriums: „L’importanza dell’ecumenismo per la nuova evangelizzazione” (Die Bedeutung der Ökumene für die Neuevangelisierung). Dem Papst zufolge stehe diese Wahl im Einklang mit den Ergebnissen der jüngsten Bischofssynode und füge sich sehr gut in den Kontext des Jahres des Glaubens ein.
Die vom Heiligen Vater angesprochene spirituelle Armut, die darin bestehe, dass „das Fehlen von Gott im eigenen Leben nicht mehr als Mangel wahrgenommen wird” stellt alle Christen daher vor folgende Aufgabe: „Zeugnis für den lebendigen Gott abzulegen”
Der Heilige Vater betonte, dass vor diesem Hintergrund folgende Forderung für an Christus Glaubende entstehe: „Die Rückkehr  zum Wesentlichen, zum Herzen unseres Glaubens, um gemeinsam das Zeugnis jenes lebendigen Gottes in der Welt abzulegen, der uns kennt und der uns liebt, in dessen Blick wir leben und der Tag für Tag auf die Antwort unserer Liebe im Alltag wartet”.
Aus diesem Grund werde der Einsatz der Kirchen und der kirchlichen Gemeinden für eine erneuerte Verkündigung des Evangeliums für den Menschen der Gegenwart zu einem Grund der Hoffnung. Diesen Einsatz bezeichnete der Heilige Vater als „Notwendigkeit, die uns trotz der nach wie vor unvollkommenen Einheit der Kirche vereint”,  und die sogar die „dringlichste Notwendigkeit” für das christliche Volk darstelle.  
Eine sichtbare Einheit zwischen gespaltenen Christen sei nicht nur die wichtigste Grundlage für die Evangelisierung, sondern das Ziel der Ökumene. Auf das Dekret über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio” bezugnehmend, rief der Papst folgendes in Erinnerung: „die Spaltung zwischen den Christen steht im offenen Widerspruch zum Willen Christi. Sie ist ein Stein des Anstoßes in der Welt und fügt der heiligen Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums für alle Geschöpfe Schaden zu”. Laut dem Papst sei die Einheit jedoch kein Werk, das von uns Menschen leicht verrichtet werden kann, sondern ein Geschenk Gottes. Dieses könne allein vom Vater stammen und durch den Sohn zu uns gelangen. In diesem Lichte fügte der Papst folgenden Hinweis hinzu: „Der gemeinsame Weg zu diesem Ziel ist unter der Voraussetzung zu begrüßen, dass die Kirchen und kirchlichen Gemeinden auf dem Weg nicht innehalten und die im Widerspruch stehenden Unterschiede als Normalität oder das bestmögliche Ergebnis akzeptieren”. Allein durch jene menschlich unerklärliche Einheit der Jünger Jesu, die sich in der vollen Gemeinschaft des Glaubens, der Sakramente und der Sendung verwirklicht, offenbare sich das Wirken Gottes, das stärker sei als die der Welt immanenten Zerfallskräfte.
Abschließend formulierte der Heilige Vater folgenden Wunsch: „Möge das Jahr des Glaubens auch ein Beitrag zum Fortschritt auf dem ökumenischen Weg sein”. Als Voraussetzungen dafür nannte er „Geduld, Demut und Hingabe an den Willen des Herrn”. Laut dem Papst sei für diese drei Eigenschaften wie auch für die Neuevangelisierung die Bewegung der Umkehr als “aufrichtiger Willen zur Nachfolge Christi und vollkommene Zustimmung zum Willen des Vaters” erforderlich. 
[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]

Dienstag, 13. November 2012

Merkel: Religionen „auf Augenhöhe"

Die Kanzlerin fordert offenen Umgang und Reformbereitschaft bei den Kirchen.
Im Umgang der Religionen untereinander fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Toleranz und Respekt Differenzen dürften nicht zugedeckt werden, aber man müsse sich „auf Augenhöhe" begegnen, sagte die Kanzlerin am Samstag in ihrem wöchent­lichen Video-Podcast „Und es muss die Kraft dazu bestehen, auch unterschiedliche Auffas­sungen zu benennen." Differenzen müssten nicht zugedeckt werden. Dazu müsse man sich auch mit anderen Religionen auskennen. Ausdrücklich begrüßte Merkel nicht nur christlichen, sondern auch islamischen Reli­gionsunterricht an Schulen.
Merkel bekannte sich zudem zur Tren­nung von Kirche und Staat und bejahte die „positive Neutralität" des Staates gegenüber den Kirchen. „Das heißt, wir fördern religiö­ses Leben, wir freuen uns, wenn Kirchen Verantwortung übernehmen", sagte sie. In Deutschland sei dies sehr gut organisiert.
Die Kirchen müssten bereit sein, immer wieder über Grundfragen des Glaubens zu sprechen. „Man kann nicht mehr davon aus­gehen, dass alle in der Gesellschaft alles, was wir an kirchlichen Feiertagen, an kirchlichen Bräuchen haben, auch wissen. Und da sollten Kirchen nicht hochmütig sein."
Die Kanzlerin rief die Kirchen zudem zu mehr Reformbereitschaft auf. „Ich glaube, die Kirche sollte fit sein, sich auch immer wieder neue Strukturen zu geben", sagte die CDU- Vorsitzende. Angesichts der sinkenden Zahl von Kirchensteuerzahlern fanden in der Evangelischen und Katholischen Kirche schon große Umstrukturierungen statt „Dennoch sind ja die meisten Menschen in Deutschland immer noch Mitglieder einer Kirche", sagte sie. Merkel wird an diesem Montag bei der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Timmendorfer Strand erwartet.
                                                                                                                                 dpa/dapd