Dienstag, 13. November 2012

Neualphabetisierung

Metz: Neualphabetisierung vor Neuevangelisierung
Der Münsteraner Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz hält eine Neualphabetisierung unserer religiösen Sprache" für notwendig. Vor ei­ner Neuevangelisierung müsse es eine solche Neualphabetisierung geben, sagte Metz in Mainz. „Wir haben für unsere Krise keine Sprache", so Metz. Es gelte, neu über Glauben und Unglauben zu reden, in einer Sprache, „die nicht vorgesprochen ist". Metz sprach bei einer Veranstaltung zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das am 11. Oktober 1962 eröffnet worden war.
Der Begründer der Neuen Politischen Theologie kri­tisierte, heute spreche die Kirche über Gewissens und Religionsfreiheit, wobei der Eindruck erweckt werde, beides sei eine Gabe des Konzils. Tatsächlich aber seien Gewissens- und Religionsfreiheit der katholischen Kirche „mit viel Leid abgenötigt worden". Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, Altbischof Wolfgang Huber, betonte, die Kirchenkrise sei im Kern eine Glaubenskrise. Die Christen seien „bis in die Pfarrerschaft" hinein „spröder" geworden, über Gott zu reden. Zugleich warnte Huber davor, in der Kirche nur Krisen zu thematisieren. Daraus könne eine Form von Undankbarkeit entstehen.
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann warnte davor, die Texte der Kirchenversammlung interessengeleitet als „Steinbruch" zu missbrauchen. Konservative und Progressive zitierten oft nur Textsplitter, ohne Auslassungen kenntlich zu machen. Notwendig sei aber, die Aussagen in ihren Zusammenhängen wahrzunehmen und das Konzil als Prozess zu begreifen. Die Texte hätten fast immer einen Konsenscharakter und eine eigene Hermeneutik.
KNA/Ökumenische Information/16. Oktober 2012

Montag, 5. November 2012

Toleranztest


Das geht ja gar nicht! Oder gerade noch...
Ein Test zum Jahr der Toleranz
Angenommen, Ihr Sohn Lukas hat einen Freund, der heißt Mehmet. Und mit Mehmet möchte Lukas unbedingt die bilinguale Schule be­suchen, erste Fremdsprache Türkisch. Das finden Sie toll, weil Lukas so den Respekt vor anderen Kulturen lernt? Oder macht Ihnen das Sorgen? Gar nicht so einfach mit der Toleranz. Oder Sie wohnen in einer ruhigen Wohngegend neben einem kleinen Kindergarten. Süß, wie die Kleinen an St. Martin „Laterne, Laterne" singen. Jetzt wird daraus eine Ganztags-Kita, und die Kinder heulen schon morgens um sechs „Mama, nicht weggehen". Das tolerieren Sie, weil Kinderlärm Zukunftsmusik ist? Zwei von zehn Fragen, mit denen Sie Ihre Toleranz testen können. Den Test, entwickelt von zwei erfahrenen Psycho­logen, finden Sie auf: www.chrismon.de/spezial/toleranztest

Was hat denn der da auf dem Teller?
Echte Nachbarn wünschen einfach guten Appetit

Das Fenster zur Welt

50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil


„Was wäre wohl, wenn es das Zweite Vatikanische Konzil nicht gegeben hätte? und wo wäre die Kirche denn heute?“, so die berechtigte Frage eines interessierten Teilnehmers beim monatlichen Gespräch vom „forum thomas“ in Göppingen St. Maria. Die Einschätzungen über den Erfolg können nicht gegensätzlicher sein - für die einen zeigte sich eine weltoffene, den Problemen der Zeit zugewandte Kirche, für die anderen der Eckpunkt einer kirchlichen Anbiederung an den Zeitgeist und eine freiwillige Aufgabe von Glaubenstradition. Ganz gleich zu welcher Einschätzung man kommt, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das Papst Johannes XXIII. vor 50 Jahren, am 11.Okt. 1962, feierlich eröffnete, zählt jedenfalls zu den bedeutendsten kirchlichen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Der Zeitzeuge Pfr.i.R. Jürgen Mühlbacher, vormals Dekan und Klinikseelsorger, zeigte auf, wie das Konzil zustande kam. So sorgte sich der Papst „um die Zukunft seiner Kirche“, er spürte, „diese Kirche passt nicht mehr so richtig zur modernen Welt“. Sein Ziel war es „die Kirche wieder in die Gegenwart zu holen und sie den Menschen von heute wieder zugänglich zu machen“. Das Konzil soll, so will es Johannes der XXIII, nicht wie früher Lehrsätze aufstellen oder falsche Meinungen verurteilen, sondern „als Pastoralkonzil sich um eine passende Verkündigung des Glaubens in der heutigen Welt kümmern“. Bis es zum Endergebnis der insgesamt 16 Konzilsdokumente in Form von Erklärungen, Dekreten und Konstitutionen kam, mussten etliche Ungereimtheiten, Hindernisse und Klippen überwunden werden. Denn es gab nicht nur „Verstehens-Probleme“, sondern auch regelrechte Blockaden, Irritationen, Versuche zu bremsen und mehr, weiß Mühlbacher. Am 8.12.1965 war es dann soweit, mit einem feierlichen Gottesdienst auf dem Petersplatz wurde das Zweite Vatikanische Konzil beendet. In der Zwischenzeit starb Johannes der XXIII. und der neue Papst Paul VI führte das Konzil weiter. Einer der wichtigsten Sätze in „Gaudium et spes“, der sogenannten „Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute“, lautet: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände". Bei aller positiven Würdigung ist festzuhalten, so der Referent: „Es gibt noch manches zu klären, so das Verhältnis von Welt- und Ortskirche, die Reform der römischen Kurie, das Verhältnis von Papst und Bischöfen, die wenig durchsichtige Praxis der Bischofsernennungen, das Verhältnis von Priestern und Laien und die Situation der Frauen in der Kirche. Abschließend gibt Mühlbacher seine persönliche Einschätzung wieder: "Vor allem aber bedrängt weit über die Kirche hinaus viele Menschen die große Not, wie man angesichts heutiger Welterfahrung, bei all dem rasanten Erkenntnisgewinn der Wissenschaften, noch an Gott glauben kann“.
Felix Müller, Dekanatsreferent

Donnerstag, 7. Juni 2012

Provozierender Ruf zur Umkehr


Die Lage der großen Kirchen in Deutschland ist wahrhaft desaströs. Egal ob katholisch oder evangelisch, beide leiden an einem Vertrauensverlust und an der Teilnahmslosigkeit ihrer Mitglieder.  Mit schonungslos offenen Fakten beschrieb Joachim Kunstmann, Pfarrer und Dozent für evangelische Religionspädagogik an der PH Weingarten, den Auszug der Christinnen und Christen aus ihren Kirchen. „Da gebe es nichts schön zu reden“, rief er den gut sechzig Teilnehmern zu, die am Montagabend zu seinem Vortrag beim forum thomas ins katholische Gemeindezentrum St. Maria in Göppingen gekommen waren.

„Was nutzen denn alle noch so schönen Bekenntnisse, Dogmen, Kirchenräume und Gottesdienste, wenn sie völlig an der Erfahrung und an den Bedürfnissen der Menschen von heute vorbeigehen?“ so Kunstmann. Ebenso provozierend sein Ruf zur Umkehr: „Nehmen wir endlich wieder Maß am Leben des Jesus von Nazareth und an seiner Botschaft vom Reich Gottes mitten unter uns“. „Der hinterließ ja schließlich keine ausgefeilte Lehre kein dogmatisches Lehrgebäude. Seine ganze Botschaft war Zeugnis dafür, dass Gott seiner Schöpfung nahe ist in allem und in allen.  Sollte Kirche sich dann etwa begnügen mit Bekenntnissen, Lehraussagen, Gottesdiensten, Bildern und Zeugnissen aus Schrift und Tradition? Gerade die Nähe Gottes ist doch das, worauf die ganze Bibel, worauf auch das Zeugnis des Jesus von Nazareth hinweisen wollen. Nähe zeichnet ihn aus, den Gott, der Liebe ist“, betonte der Dozent aus Weingarten.

„Daran kranke Kirche im Kern, dass sie historisch bedingte Traditionen hüte, aber kaum mit der unmittelbaren Gegenwart Gottes im Hier und Jetzt rechne. Umkehr heiße, gemeinsam Erfahrungen der Nähe Gottes zu suchen und in den Austausch über die heilsame Begegnung mit ihm zu kommen. Das entspricht der frohen Botschaft des Jesus von Nazareth im Zeugnis der Schrift. Heilsame Begegnung ist dabei zu allen Zeiten für alle möglich. Ohne Zweifel können die christlichen Traditionen (Bibel, Bekenntnisse, Lehraussagen, Liturgien, Bilder usw.) auf diesem Weg hilfreich sein. Ja, sie sind ein echter Schatz und von einer oft kaum einholbaren Tiefe und bleibendem Wert, weil sie Zeugnis ablegen von der Geschichte Gottes mit den Menschen. Doch, sie sind Medien, nicht die Begegnung selbst. Es gilt, die Geschichte Gottes mit den Menschen fortzuschreiben, denn christliche Religiosität ist stets eine Inspiration, eine Erfahrung des Heiligen. Sie ist Wahrnehmung Gottes im Alltag, ist die Erfahrung, von Gott geliebt und im Leben willkommen zu sein. Überall dort, wo diese Erfahrung zur Sprache kommt, überall dort ist Kirche nicht eine kultivierte Sonderwelt, sondern lebendige Gemeinschaft, die zur Kommunikation ihrer heilsamen und froh machenden Erfahrungen drängt“, verdeutliche der evangelische Pfarrer seine Position.

Die anschließende Diskussion im forum thomas gab die innere Spannung zwischen dem bisweilen ängstlichen Festhalten am Überlieferten und der befreienden Glaubenserfahrung des mir nahen Gottes in zahlreichen Beiträgen wieder. Sie machte Mut für den Weg, den das Dekanat Göppingen-Geislingen im Diözesanen Dialogprozess beschreiten will: „Gemeinden sollen wieder zu lebendigen Erzählgemeinschaften und damit zukunftsfähig werden“.

Dienstag, 8. Mai 2012

9,5 Thesen zu einer Umkehr im christlichen Selbstverständnis

Provozierender Ruf zu angstfreier Lebendigkeit

Die oft bewundernswerte Arbeit in den christlichen Kirchen bleibt zunehmend ohne Resonanz. Die tiefen Schätze der christlichen Überlieferung sind inzwischen weitgehend unbekannt, auch unter Christen selbst, und trotz eines spürbar hohen allgemeinen religiösen Interesses. Ganz offensichtlich halten immer mehr Menschen das Christentum für belanglos im Blick auf ihr eigenes Leben. Strukturelle Reformen und innerkirchliche Ermutigungen reichen keineswegs aus, um diese Situation zu verändern; sie können das Problem auch verdecken. Es steht eine Korrektur des christlichen Selbstverständnisses an.
Das Christentum muss zu seiner Quelle zurückkehren.
Es muss sich wieder als ein Lebensvertrauen verstehen, das sich religiöser Erfahrung verdankt – und nicht als eine Überzeugung, die auf der Wahrheit von Überlieferungen beruht. Es muss die Menschen als Beteiligte, nicht als Zuhörer verstehen. Das Christentum muss daher klar und offen unterscheiden zwischen der Wahrnehmung Gottes und den Bekenntnissen, Sätzen, Ämtern, Gesten und allen Medien, durch die diese Wahrnehmung kommuniziert wird.

Referent: Prof. Dr. Joachim Kunstmann

Ordinierter Pfarrer und Dozent für evang. Religionspädagogik.
Päd. Hochschule Weingarten; jüngste Buchpublikation: Rückkehr der Religion. Glaube, Gott und Kirche neu verstehen.

Montag, 21. Mai 2012, 20:00 Uhr, Göppingen St. MariaKath. Gemeindezentrum Ziegelstraße 11
(Eingang neben Haupteingang Kirche)


Freitag, 4. Mai 2012

Grußwort netzwerk Arbeitswelt und der KAB zum 1. Mai 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein herzlicher Gruß an Euch an diesem Tag des 1. Mai, dem Tag der Solidarität und der Arbeit, ein herzlicher Gruß von der Katholischen Kirche, dem netzwerk arbeitswelt als Nachfolger der Betriebsseelsorge, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB  und der Evangelischen Kirche.
Und wir sagen Euch als katholische Kirche die Solidarität  zu im Kampf um die Soziale Gerechtigkeit. Und Euer Motto und Forderung nach Gerechten Löhnen und sozialer Sicherheit passt zwingend in diese Zeit. Denn obwohl Teile der Wirtschaft boomen und Arbeitslosenzahlen zurückgehen, spaltet sich der Arbeitsmarkt immer mehr: Die Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse steigt, Leiharbeit nimmt bei eingeschränkter sozialer Absicherung zu, Armut und Altersarmut  greifen um sich und die Würde des Menschen ist in Gefahr. Und daran wollen wir als Kirche keinen Zweifel lassen: Der Schöpfungsauftrag und die Möglichkeiten der menschlichen Entfaltung in Arbeit und Beruf ziehen zwingend würdevolle Arbeit für alle Menschen nach sich – und das mit auskömmlichen Löhnen. Und es gehört zu unseren Grundaussagen der christlichen Religionen, dass Armut ein Skandal und Eigentum eine Verpflichtung ist. Und schon deshalb sind wir, die Kirchen und Gewerkschaften, hier Verbündete für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, für unbefristete Übernahme von Auszubildenden, für gute Arbeitsbedingungen  und für die Einführung von Mindestlöhnen. Und wir brauchen auch deshalb starke und handlungsfähige Gewerkschaften.  
Wir freuen uns heute hier auf dem Schillerplatz bei Euch zu sein, auch wieder mit einem Stand, danken für Eure wichtige Arbeit und Euer Streiten für die Gerechtigkeit, danken für den Erlös der Bewirtung an die Aktion Rückenwind und wünschen Euch eine gute Veranstaltung.

Dialog mit der Jugend

Jugendliche haben durchaus Interesse am Glauben, zumal „das Bedürfnis an Sinnfindung allgegenwärtig ist“. Dies könne aber nur gelingen, wenn authentische Bezugspersonen für die kirchliche Jugendarbeit vorhanden sind, bestätigt Anne Lehmann; Geislingen.
Aus ihrer 4-jährigen Tätigkeit als Jugendreferentin im katholischen Dekanat Göppingen- Geislingen berichtet sie vor knapp 40 interessierten Zuhörern beim forum thomas in Göppingen, in welcher gesellschaftlichen Situation Jugendliche sich derzeit befinden, wie Jugendliche Kirche erleben und wohin letztlich kirchliche Jugendarbeit geht bzw. gehen kann. Die Lebenswirklichkeit der heutigen Jugend zeigt unter anderem, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Diese Polarisierung führt zu einem wachsenden Konfliktpotenzial“. Weiterhin so die Referentin, „der Anstieg von Arbeitsplätzen mit geringen Einkommen zwingt die Jugendlichen zudem zu flexiblen Arbeitsorte. Ebenso komme durch Globalisierung und Digitalisierung ein gestiegener Leistungs- und Bildungsdruck hinzu, somit sind Lebensläufe und Erwerbsbiografien weniger planbar. Familienplanung wird unsicher. Insgesamt könne man gut und gerne vom Aufwachsen der Jugendlichen unter erschwerten Bedingungen sprechen“, so die Referentin. In diese Lebenswirklichkeit hinein besteht kein großes Interesse an Kirche, die aufgrund aktueller Erhebungen vom „SINUS – Lebensweltenmodell u18“ als unnahbar, menschenferne Institution und mit alte Frauen und kalte Kirchengebäude assoziiert wird. Dies sei jedoch nur die eine Seite, die andere Seite der Medaille sei „die Sehnsucht auf Antworten in Glaubens- und Lebensfragen“, so Lehmann. Jugendliche unterscheiden, so die Studie, streng zwischen Religion und Glauben. Das Ergebnis der Studie sei: „Jugendliche greifen auf das zurück, was sie für sich gut empfinden, was ihnen bei Lebensbewältigung hilft und basteln somit einen eigenen Glauben aus religiösen und spirituellen Angeboten von verschiedenen Religionen zusammen. Der Glaube der Jugendlichen sei aber wesentlich spannender, weil alltagsnäher als Religion und Kirche“. Die Jugendreferentin empfiehlt, „mit der Jugend was zusammen zu machen,  das heißt, die Verantwortlichen der Kirche müssen stärker eine „Geh-Hin-Kirche“ werden, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Die Verantwortlichen in den Gemeinden müssten fragen: „Wie sieht denn dein Glaube aus? Aber auch hilfreiche Antworten und Unterstützung auf Lebensfragen muss die Kirche gegen können und da sieht es zur Zeit sehr schlecht aus“, meint die Jugendreferentin. „Da es aufgrund des demographischen Wandels  allein im Landkreis Göppingen in den nächsten 13 Jahren 27 % weniger Jugendliche geben wird, bleiben die Folgen für die Kirche nicht aus“, ergänzt die Referentin. Deshalb ist die dritte und stärkste Empfehlung von Frau Lehmann, „ die Beteiligung von Jugendlichen am Geschehen von Kirche zu ermöglichen“. Dass diese Fragen bereits 1985 in der diözesanen Synode über die „Weitergabe des Glaubens an die heutige Generation“ ein Thema war, machte Diakon Michael Feldmann in der Hinführung auf den Abend deutlich. Spannend wird sein, ob sich die Verantwortlichen der Kirchenleitung diesen den Anfragen der Jugendliche stellen werden.
Felix Müller Dekanatsreferent