Dienstag, 9. Juli 2013
„Seht, ich schaffe Neues!“
Die Kirche der Zukunft muss „für die Menschen erreichbar, im Leben daheim und gesellschaftskritisch präsent sein, damit die Menschen einander zum Segen werden“, so die Botschaft von Leo Karrer, Professor für Pastoraltheologie an der Uni Freiburg, Schweiz, beim monatlichen Gespräch beim „forum thomas“ Göppingen. Der Vorsitzende der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen erläuterte den knapp 50 Zuhörern anschaulich, wie er die Umbruchsituation der Kirche in den vergangenen 50 Jahren miterlebt hat. War die Kirche früher ein statisch geschlossenes System, das für viele Menschen Heimat, Zugehörigkeit und Sicherheit darstellte, wurde durch das Konzil und die anschließenden Synoden das Gebilde wesentlich in eine offene Sozialgestalt in der „Kirche als Volk Gottes unterwegs und zum allgemeine Heilswille für alle Menschen“ gewandelt, so er Referent. Diese neue Sichtweise „Gott geht es um alle Menschen“ wurde zu einem neuen modernen Selbstverständnis von Kirche und hat Veränderungen mit weitreichenden Folgen gebracht. Der Referent verdeutlichte zudem: „Seelsorge ist nicht mehr die gleiche wie früher, auch die Pfarrei als feste Größe ist am Schwinden“. „Hat Kirche früher das gesellschaftliche Leben bestimmt und geprägt, so ist sie heute nur noch eine Größe unter vielen“, so der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie. Leo Karrer bezeichnet sich selbst als „unheilbar katholisch“ und konnte in seinem Vortrag die Begeisterung von seinen Visionen von Kirche hervorragend vermitteln. Wir brauchen in dieser Umbruchsituation, ist Karrer überzeugt „einen langen Atem“ und wenn wir uns orientieren wollen, „müssen wir auf Jesus schauen“. Hilfreich kann dabei der Blick in die Schrift sein, um feststellen „wie Jesus sich gegenüber den Menschen verhalten hat“. Deshalb müsste eine jesusgemäße Orientierung der Kirche als wesentliches Merkmal für die Zukunft „jeden Menschen ernst nehmen und sich radikal um den Menschen kümmern“, beinhalten. Wir dürfen nicht fragen: „Was kommt uns entgegen, sondern wer kommt uns entgegen?“ Karrers Wunsch an die Teilnehmer: „Wir müssen alle Karten auf Gott setzen“ und unser heutiges Christsein kann nur die „Orientierung an der Gottesliebe und an der Menschenliebe“ sein. Unser größter heutiger Fehler sei, so ergänzt der Buchautor und Professor: „Wir denken Gott viel zu klein“. Er ist zudem fest davon überzeugt, dass aus der derzeitigen gesellschaftlichen Situation heraus, in der die Lebensverhältnisse für die Menschen mehr denn je kompliziert sind, „es nur so nach Kirche schreit“. Er bestärkt die Anwesenden und wünscht dem „forum thomas“ einen langen Atem, dem Anliegen der Frohbotschaft treu zu bleiben und die Erneuerung der Kirche, wie es bereits der Prophet Jesaja schon formulierte „Seht, ich schaffe Neues!“, nicht aus dem Auge zu verlieren. Felix Müller, Dekanatsreferent
Projekt „Gemeinde“ stärkt Pastoral vor Ort
Oberstes Ziel des Projekts „Gemeinde“ ist es, die Gemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf die Zukunft hin auszurichten und die Seelsorge vor Ort zu stärken und weiter zu entwickeln. Grundlage wird der „Blickwechsel“ von der „lebendigen Gemeinde zur aktiven Gemeinde im Ort“ sein, so der Projektleiter Michael Elmenthaler beim „forum thomas“ in Göppingen mit knapp 60 Teilnehmern. Die Ergebnisse des Dialog- und Erneuerungsprozesses der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben gezeigt, dass Entwicklungsbedarf im Bereich der Seelsorge, des pastoralen Personals und konkreter Felder der Gemeindepastoral besteht. „Wir müssen endlich ernst nehmen, was die Menschen brauchen“, so das Fazit. Projektleiter Elmenthaler versichert: „Die Anstrengungen zur Erneuerung dienen nicht der Erhaltung von kirchlichen Strukturen, sondern es geht um Überprüfung unserer Haltungen, wie wir künftig Seelsorge betreiben wollen“. Die Idee ist demnach „die Pastoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen in einem bestimmten Lebensraum auszurichten, das heißt: „Kirche ist im Lebensraum präsent, kooperiert und inspiriert das Zusammenleben der Menschen“. Elmenthaler weiter: „Die Gemeinde lebt ihren missionarischen Auftrag, indem sie die Menschen in ihrem Lebensraum wahrnimmt, sich mit ihnen verbindet, die Botschaft des Evangeliums bezeugt und auf die Zeichen der Zeit hört“. Ein entscheidender Schritt zur Entlastung der Pfarrer wird die „verstärkte Beteiligung von haupt- und ehrenamtlichen Laien in der Gemeindeleitung sein“. Der Bischof wird dabei die gesamten Spielräume des Kirchenrechts und der Gemeindeordnung der Diözese ausnutzen, wurde zugesagt. Ein solcher „Blickwechsel“ in der Pastoral hat auch Auswirkungen auf die Priester und alle Seelsorger/-innen im Haupt- oder Ehrenamt. Künftig wird weniger der „Einzelkämpfer“, sondern der „Teamplayer“ gefordert sein - von der „Allzuständigkeit“, vor allem des Priesters, hin zu einer Delegation der Aufgaben auf viele Schultern. Im Sinne des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen hat auch Konkurrenzdenken zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen genauso wenig Platz wie die Sichtweise, dass ehrenamtliche Mitarbeiterinnen nur „Helfer/-innen“ der Hauptamtlichen sind. Mitte und Ziel des kirchlichen Lebens vor Ort ist und bleibt die Feier der Eucharistie, aber mit der Maßgabe, dass alle Priester im aktiven Dienst angehalten sind, am Sonntag, einschließlich der Vorabendmesse, nur drei Eucharistiefeiern vorzustehen. Dort, wo keine Eucharistiefeier am Sonntag angeboten werden kann, ist es in der Diözese gute Tradition, dass sich die Gemeinde zur Wortgottesfeier in der Kirche versammelt. Diese Praxis begrüßt und wünscht der Bischof ausdrücklich. Er will dies sogar aktiv einfordern. Damit die Empfehlungen der Diözese auf fruchtbaren Boden fallen, bedarf es der intensiven Fort- und Weiterbildung der Priester und aller hauptamtlichen pastoralen Dienste. Elmenthaler unterstreicht: „Gerade hier brauchen wir in unserer Diözese eine neue Kultur der Qualitätssicherung“, denn „die Qualität pastoralen Handelns ist ein entscheidender Aspekt dessen, ob Kirche in unserer Gesellschaft als wertvoll wahrgenommen oder als bedeutungslos ausgeblendet wird“. Felix Müller, Dekanatsreferent
Dienstag, 30. April 2013
„Werdet nicht müde barmherzig zu sein!“
Der Sprecher des 24-köpfigen Diözesanpriesterrat, Pfr. Msgr. Herbert Schmucker (70), Stuttgart, bestätigte beim letzten „forum thomas“-Gespräch in Göppingen: „Die Priester müssen sich mit den Gläubigen in den Gemeinden über eine Schwerpunktsetzung in der Seelsorge verständigen, denn in den neuen großen Pfarreien oder Seelsorgeeinheiten wird es für den Priester immer schwieriger, in der ganzen Breite des pastoralen Raumes noch präsent zu sein und alle pastoralen Aktivitäten einer Pfarrei zu leiten oder zu begleiten“. Eine besondere Chance für die Zukunft sieht Schmucker „in der Zusammenarbeit der anderen Dienste und es müssen Aufgaben auch wieder in diese ursprüngliche Verantwortung aller Glaubenden zurückgegeben werden, damit das Profil der Priester deutlicher wird“. Gerade die heutige Rolle der Priester müsse noch deutlicher herausgestellt werden, war die mehrfache Forderung vom Publikum an den Referenten, zu dessen Aufgabe auch die Vertretung der Priester gegenüber dem Bischof obliege. Werbend benannte der Referent: “Nicht jeder Priester wird in Zukunft als Pfarrer tätig sein. In den neuen pastoralen Räumen können sich Priester mit einer großen Vielfalt an Charismen und Begabungen einbringen und die damit verbundenen Chancen sollten wir noch viel mehr nutzen“, in seinem Schlussplädoyer.
Mit den knapp 50 anwesenden Teilnehmern war er einig, dass „das seitherige Priesterbilder heute nicht mehr trage und es bedürfe der Erneuerung oder Ergänzung. Der Priester soll ja der Entwicklung des Volkes Gottes dienen – es darf keine Über- oder Unterordnung geben“, was er mehrfach in seinem Referat betont hat. „Die Laien bekommen ihre Würde von Gott nicht vom Priester“, bezog er eindeutig Stellung. Für ihn stellt sich auch die Frage, „wie wir gemeinsam unser Bild zukünftigen Kircheseins entwickeln können“. Dazu wird es unerlässlich sein, „dass das Gespräch über das gemeinsame Priestertum aller Getauften und den Dienst des Priesters weitergeführt wird“. Ein erster Ansatz wurde dieser Tage in Göppingen versucht. Im Juni findet die Reihe ihre Fortsetzung mit der „Frage der Laien und deren Aufgabe“.
Felix Müller, Dekanatsreferent
Donnerstag, 28. Februar 2013
Augeschlossen von den Sakramenten
Jede dritte Ehe wird in Deutschland geschieden, in Städten sogar jede zweite. Christliche Ehen sind von dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen. Viele Geschiedene wollen auf Dauer nicht alleine leben und binden sich neu. Heiraten sie wieder, hat das für Katholiken weitreichende Folgen. Sie werden ihr Leben lang, laut Kirchenlehre, vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen. „Die Kirche sei hart und unbarmherzig im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen“, stellen nicht nur viele der anwesenden Gläubigen beim letzten „forum thomas Gespräch“ in Göppingen fest. Wie es zu der für viele unverständlichen Position der katholischen Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe kam und was sich ändern könnte, erläuterte der Fachreferent Dr. Norbert Reuhs, Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat Rottenburg, der vormals fünf Jahre lang in der Seelsorgeeinheit Göppingen St. Maria und Christkönig als Pastoralreferent tätig war. In seinem Vortrag hält er fest, dass Jesus nicht den gewünschten Satz liefert: „Ehescheidungen ist erlaubt“, dennoch ist der Weg Jesu nicht reine Kasuistik, sondern bezieht sich auf die Lehre vom Reich Gottes und deshalb dürfen „Geschiedene durchaus Gottesnähe suchen, weil sie der Liebe Gottes bedürftig sind“. Dass die Tendenz der Scheidungen stetig steigt, ist allenthalben bekannt. Es mag daran liegen, so der Referent, „dass Menschen länger leben, das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau sich geändert hat und auch die bislang als Zweckgemeinschaft oder Vernunftehe geführte Gemeinschaft nicht mehr gegeben ist“. Daraus ergibt sich aber durchaus die berechtigte Frage: „Hat die katholische Kirche dies nicht wahrgenommen und warum muss sie bei der Ehe, die als „Bild der Zuwendung Gottes“ gesehen wird, grundsätzlich festhalten und kann sich nicht den heutigen Gegebenheiten anpassen oder annähern?“ In dem Schreiben „Gaudium et Spes“ Art. 48 wird wohl der Begriff neu definiert „als Gemeinschaft, die das ganze Leben umgreift“, und öffnet einen neuen Zugang, zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder, oder „zur Vermeidung von Schlimmerem“, wie es bereits der Kirchenvater Origines 185 n.Chr. auch schon feststellte. Dennoch die Frage für uns heute bleibt: „Wie kommen wir aus dem Dilemma raus?“ Eine Möglichkeit sei, so der Referent, wir hinterfragen, ob es sich um eine gültige Ehe handelt? Wenn nicht, besteht die Möglichkeit ein „Nichtigkeitsverfahren“ einzuleiten, um zu prüfen, dass die Ehe von vornherein keine Ehe im Sinne der Kirchenlehre war. Eine weitere Möglichkeit sieht Dr. Norbert Reuhs für die Zukunft darin, dass sich die katholische Kirche der Orthodoxen Kirche annähert, die wohl zu dem Prinzip „Scheidung Nein“ halten, aber eine Zuwendung zu den wiederverheirateten Geschiedenen ermöglicht. Dergestalt, dass die Kirche die neue Gemeinschaft akzeptiert und nach einer längeren Bußzeit in einer liturgischen Feier den neuen Bund feststellt und segnet. Fazit der Abendveranstaltung: „Viele Seelsorger, die in ihren Gemeinden mit den seelischen Nöten Betroffener konfrontiert sind, versuchen zusammen mit wieder verheirateten Paaren eine Gratwanderung zwischen Gehorsam gegenüber dem kirchlichen Lehramt und der persönlich beantworteten Gewissensentscheidung zu gehen“.
Felix Müller Dekanatsreferent
Wo ist der Platz der Kirchen?
Der Chefredakteur der „Herder Korrespondenz“ Ulrich Ruh aus Freiburg versuchte eine Standortbestimmung und beklagte beim ökumenischen Studientag vor 30 Teilnehmern in Heiningen zuerst, dass es „ein großer Fehler sei, dass wir von den anderen immer noch nicht viel wissen“. Seine Empfehlung war deshalb: „Nutzen Sie deshalb die Chance auf einander zuzugehen, die die zwei Großereignisse, die den beiden Kirchen ins Haus stehen, bieten: Zum einen das 50-jährige Jubiläum des Zweiten Vatikanisches Konzils, das noch bis 2015 gefeiert wird und die Jubiläumsveranstaltung der Reformation im Jahr 2017. In seiner Einschätzung stellt der Chefredakteur fest: „Wir haben in der BRD einen normalen, höflichen und geschäftsmäßigen Umgang, da beide Großkirchen mit jeweils 30 % paritätisch vertreten sind. Hilfreich ist zudem, dass die christlichen Kirchen in Deutschland gegenüber der Öffentlichkeit immer im Doppelpack vorhanden sind und auftreten - das erleichtert im Wesentlichen die Ökumene. Und die beiden Kirchen sind und bleiben stabile Institutionen, denn keine der gesellschaftlichen Umbrüche hat die beiden Kirchen in ihrem Gehalt wesentlich beschädigt. Dennoch leiden die Kirchen unter massiver Erosion in den Mitgliederzahlen, im Teilnahmeverhalten und erschreckend niedrig sei das Wissensniveau, nicht nur bei Jugendlichen. Spezielle Probleme habe die katholische Kirche in den sittlichen Weisungen der Kirchenleitung, der Abnahme von Klerus und Orden und die Nichtbeachtung kirchlicher Autorität. Die eingeleiteten beiden Gegenmaßnahmen, sei es der 2006 begonnene Reformprozess der evangelischen Kirche mit dem Titel „Kirche der Freiheit“ oder der Dialogprozess innerhalb der katholischen Kirche, der das Vertrauen wieder zurückgewinnen will, sind nach seinem Dafürhalten, „nicht sehr hilfreich, da sie nicht sauber strukturiert sind.“ Das Christentum wird in der Gesellschaft gerade im sozialen und kulturellen Bereich sehr wohl geschätzt, jedoch im religiösen Kern ist vieles nichts mehr selbstverständlich. Die Kirche wird als ein Angebot unter vielen gesehen, dass das Christentum mal vorrangig behandelt wurde ist längst dahin. Christentum ist zu einer persönlichen und Privatsache geworden, zumal „man lässt sich in die private Lebensführung nicht mehr hineinreden“. Am konkreten Beispiel der Taufe wird dies deutlich: „Sie wird nicht mehr als Eingliederung in die Kirchengemeinschaft gesehen, sondern wird mehr und mehr als Familienfest zelebriert“. Er sieht zwei Möglichkeiten: „Entweder man rückt näher zusammen oder man beschränkt sich auf den eigenen Laden.“ Es wäre für ihn das Gebot der Stunde „vom Anderen zu lernen“. Austausch und Lernen werde angesagt, sowohl im Bereich Gemeindearbeit, neue Orte der Pastoral suchen, Evangelisierung, Reform der Gottesdienste und die Qualität der Predigt zu verbessern. Die Lernbereitschaft könnte helfen, über die klassischen strittigen Punkte von Amt und Eucharistie hinweg zu kommen und die Sachlage entspannter über den indirekten Zugriff aufzulösen und so an einem neuen „Kirchenbild“ zu arbeiten.
Wie Kirche für die Zukunft wirklich aussieht, kann er selbst nicht beantworten, aber so viel ist ihm klar: „Ganz gleich, welcher Papst gewählt wird, es geht nichts mehr ohne Ökumene. Ökumene bleibt auf der Tagesordnung und kann nicht blockiert werden.“
Felix Müller, Dekanatsreferent
Donnerstag, 29. November 2012
Kirchensteuer ist Vitalitätselexier
Ohne Geld geht nichts! Unumstritten ist sie aber keineswegs, die Kirchensteuer. Kritiker haben dabei grundsätzlich Einwände und argumentieren, dass sie der gebotenen Trennung von Kirche und Staat widerspreche. Die Mitglieder vom „forum thomas“ haben sich dieser Tage mit der Thematik auseinandergesetzt und den Redakteur der kirchenkritischen Zeitung „publik forum“, Thomas Seiterich, zum Gespräch geladen. Der Referent führte aus: „Jede Glaubensgemeinschaft benötigt für ihre Zwecke Geld. Die Sorge für die Gläubigen, ein lebendiges kirchliches Leben, Caritas und solidarische Hilfe gibt es nicht zum Nulltarif.“
Der Zeitungsredakteur erinnerte in seinem Referat an die deutsche Geschichte, die für die christlichen Kirchen ein einmaliges System der Kirchenfinanzierung hervorgebracht hat. „Ausgangspunkt der heutigen Kirchensteuer seien die Enteignungen der Kirche am Ende der napoleonischen Zeit. Die weltlichen Herren, denen das Kircheneigentum in die Hände fiel, sollten zur Entschädigung selbst für eine angemessene Ausstattung der Kirche sorgen. Bald begannen kleinere Territorialstaaten, den Kirchen ein Recht zur Steuererhebung einzuräumen. Das war die Geburtsstunde der Kirchensteuer, die dann in der Weimarer Reichsverfassung rechtlich verankert wurde und dies auch im heutigen Grundgesetz noch ist. Alle Bundesländer haben zur Ausführung die nötigen Landesgesetze geschaffen, deshalb schwanken die Prozentzahlen.“
Seiterich weiter: „Die Kirchensteuer macht ja im Wesentlichen die Sozialgestalt von Kirche aus. Deshalb beinhaltet die Thematik letztendlich immer auch das Thema „Kirche“ schlechthin, so wie wir sie uns vorstellen und wünschen.“
Deutschland ist im Vergleich eine sehr reiche Kirche, zumal sie bis zu einem Drittel den Vatikan mitfinanziert. Während man von der Kirche in Frankreich als einer armen Kirche sprechen kann, die aber demzufolge auch keine „Glaubwürdigkeitsprobleme“ hat, denn wer dort mitarbeitet, ist von der Sache Jesu echt überzeugt.
„Da die Kirchensteuer freiwillig sei, müsse man sie so wie einen Vereinsbeitrag sehen“, gibt Seiterich zu bedenken.
Es gäbe nämlich gewaltige Vorteile. „So ermögliche sie eine breite Präsenz, entlastet den Staat beträchtlich und trägt stark zum Gemeinwohl bei.“ Dennoch wird, nicht nur vom Referenten, „mehr Transparenz und Mitsprache über die Verwendung der Gelder“ gewünscht. Dieser Sachverhalt wird in Österreich gewährt. Dort müssen die Bischöfe gegenüber dem Kirchenvolk regelmäßig Rechenschaft über die verwendeten Gelder ablegen. Ebenso in der Schweiz geht das Geld von unten - von den Gemeinden - nach oben zur Diözese und beinhaltet damit eine gute basisdemokratische Regelung. Ergänzt wurde: „Das Kirchensteuersystem in Deutschland ist stark konjunktur- und steuerreformabhängig, jedoch auch sehr bequem, denn die Kirchen ersparen sich den direkten Kontakt mit den Gläubigen. Der Staat selber fährt sehr gut damit, nachdem er selbst drei Prozent der Geldmittel für sich beanspruchen darf.“ Abschließend wurde festgehalten: “Die Kirchensteuer ist keine Steuer des Staates, der Staat verdient nur daran. Politisch also ist das System in absehbarer Zeit nicht in Gefahr. Gleichwohl bleibt das deutsche Verfahren immer ein heikles Thema, dem nur durch Transparenz zu begegnen sei.“
Felix Müller, Dekanatsreferent
Mittwoch, 28. November 2012
Aufbrechen ist die Bewegung des Glaubens
Beim jährlichen biblischen Studientag warb die Referentin Frau Anneliese Hecht vom Katholischen Bibelwerk bei den Hauptamtlichen des Katholischen Dekanats Göppingen-Geislingen: „Wir brauchen Visionen, denn ohne Visionen verkommt das Volk“, wie es bereits im Buch der Sprüche steht.
Selbst renommierte Hirnforscher bestätigen: „Die Kraft der inneren Bilder, die in unserem Gehirn entstehen, sind notwendig für das „Vorwärtskommen“. Nicht nur für die Kirche, gleichwohl selbige insgesamt abnimmt, sondern auch andere Gruppierungen und Gemeinschaften machen sich diesen Sachverhalt zu nutze.
Insgesamt lässt sich feststellen, so die Referentin: “Die „Graswurzelbewegung“ in der Kirche nimmt zu. Immer mehr kleine Gruppierungen entstehen und nehmen zahlenmäßig kräftig zu. „Jeder bringt seine Visionen ein, es werden Leben und Glauben geteilt“. Die weitgereiste Vertreterin des Bibelwerks bestätigt: „Es gibt viele kleine Aufbrüche. man kann es sogar jahreszeitlich deuten: „Die Knospen unter den Zweigen, wir nennen es Herbst, deuten das Neue, den Aufbruch, den Frühling, bereits an“.
In der Bibel lassen sich viele Hinweise finden, die als „Grundhaltung für uns Christen- das ständige Aufbrechen“, gelten.
Biblische Texte haben Menschen von alters her schon immer zum Aufbruch bewegt. Der erste Schritt sei jedoch das „Gottvertrauen“. Wir lernen bereits von den Urvätern und Urmüttern im Glauben, wie es gehen kann. Aufbrechen hat jedoch zwei Dimensionen, zum einem muss ich Altes zurücklassen, ich muss loslassen können, um Neues zu empfangen.
Wir Menschen brauchen auch stets eine geistige Hygiene, damit die Welt verändert werden kann. Menschen, die solche Visionen haben, setzen auf das „Gottvertrauen“, sie bilden überschaubare Gemeinschaften und letztendlich muss das Volk Gottes die Verantwortung selbst übernehmen. Deshalb ist Frau Hecht abschließend überzeugt: „Wir müssen mündige Christen heranbilden, wir können die Probleme nicht den Anderen überlassen und abschieben - denn schließlich und endlich sind es wir selbst „das auserwählte Volk Gottes, hierzu brauchen wir aber mehr Zeit für Gott.“
Felix Müller, Dekanatsreferent
Montag, 19. November 2012
Lammert: Kirchenspaltung muss überwunden werden
Lammert: Kirchenspaltung muss überwunden werden
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die fortdauernde Kirchenspaltung als den „großen Anachronismus unserer Zeit" bezeichnet. Die Zeit sei gekommen, diesen „Skandal der real existierenden Christenheit" zu überwinden, sagte der CDU-Politiker am 10. November in München. Anlass war das zehnjährige Bestehen der Eugen-Biser-Stiftung, wo der Katholik mit dem nach dem Religionsphilosophen benannten Preis geehrt wurde. Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit der Christen geht nach Ansicht Lammerts jeden an. Sie müsse eine Sorge der ganzen Kirche sein, der Bischöfe und der Laien. Zwar sei er fest überzeugt, dass die Einheit wiederhergestellt würde, weil er den Heiligen Geist für stärker halte als die Theologie. Er fürchte jedoch, dass dies später der Fall sein werde als eigentlich möglich: „Die Begabung, an Zweit- und Drittrangigem festzuhalten, führt dazu, das Wesentliche aus dem Auge zu verlieren." Kritisch setzte sich der Bundestagspräsident mit dem Zustand der katholischen Kirche 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auseinander. Damals hätten die Menschen eine Kirche im Aufbruch und der Öffnung zur Welt erlebt. Nie sei die Identifikation der Gläubigen mit ihrer Kirche so stark gewesen wie in diesen Jahren. Heute erlebten sie statt Aufbruch und Erneuerung Stagnation und Angststarre.
Lammert sprach von einer „riesigen Zahl von engagierten Frauen, die von der Kirche nicht gewollt würden".
KNA/13. November 2012
„Möge das Jahr des Glaubens auch ein Beitrag zum Fortschritt auf dem ökumenischen Weg sein”.
Die Einheit der Christen als Antwort auf die spirituelle Armut unserer Zeit
Möge das Jahr des Glaubens ein Beitrag zum Fortschritt des Ökumenismus werden
Von Salvatore Cernuzio
VATIKANSTADT, 16. November 2012 (ZENIT.org).- „Ein authentischer Weg der Ökumene kann nicht gegangen werden, wenn die in weiten Teilen der Erde herrschende Glaubenskrise ignoriert wird, von der auch jene Regionen betroffen sind, die die Verkündigung des Evangeliums zuerst aufnahmen und in denen das christliche Leben jahrhundertelang blühte”. Diese Botschaft richtete Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer an der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, die er am Vormittag des 15. November 2012 in Audienz empfangen hatte. Der Papst betonte, dass zugleich viele Zeichen auf ein Fortbestehen des Bedürfnisses nach Spiritualität hindeuten. Laut Benedikt XVI. seien diese Zeichen vielgestaltig und können daher nicht außer Acht gelassen werden.
Den Anlass für seinen Appell lieferte dem Papst das Thema der Vollversammlung des Dikasteriums: „L’importanza dell’ecumenismo per la nuova evangelizzazione” (Die Bedeutung der Ökumene für die Neuevangelisierung). Dem Papst zufolge stehe diese Wahl im Einklang mit den Ergebnissen der jüngsten Bischofssynode und füge sich sehr gut in den Kontext des Jahres des Glaubens ein.
Die vom Heiligen Vater angesprochene spirituelle Armut, die darin bestehe, dass „das Fehlen von Gott im eigenen Leben nicht mehr als Mangel wahrgenommen wird” stellt alle Christen daher vor folgende Aufgabe: „Zeugnis für den lebendigen Gott abzulegen”
Der Heilige Vater betonte, dass vor diesem Hintergrund folgende Forderung für an Christus Glaubende entstehe: „Die Rückkehr zum Wesentlichen, zum Herzen unseres Glaubens, um gemeinsam das Zeugnis jenes lebendigen Gottes in der Welt abzulegen, der uns kennt und der uns liebt, in dessen Blick wir leben und der Tag für Tag auf die Antwort unserer Liebe im Alltag wartet”.
Aus diesem Grund werde der Einsatz der Kirchen und der kirchlichen Gemeinden für eine erneuerte Verkündigung des Evangeliums für den Menschen der Gegenwart zu einem Grund der Hoffnung. Diesen Einsatz bezeichnete der Heilige Vater als „Notwendigkeit, die uns trotz der nach wie vor unvollkommenen Einheit der Kirche vereint”, und die sogar die „dringlichste Notwendigkeit” für das christliche Volk darstelle.
Eine sichtbare Einheit zwischen gespaltenen Christen sei nicht nur die wichtigste Grundlage für die Evangelisierung, sondern das Ziel der Ökumene. Auf das Dekret über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio” bezugnehmend, rief der Papst folgendes in Erinnerung: „die Spaltung zwischen den Christen steht im offenen Widerspruch zum Willen Christi. Sie ist ein Stein des Anstoßes in der Welt und fügt der heiligen Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums für alle Geschöpfe Schaden zu”. Laut dem Papst sei die Einheit jedoch kein Werk, das von uns Menschen leicht verrichtet werden kann, sondern ein Geschenk Gottes. Dieses könne allein vom Vater stammen und durch den Sohn zu uns gelangen. In diesem Lichte fügte der Papst folgenden Hinweis hinzu: „Der gemeinsame Weg zu diesem Ziel ist unter der Voraussetzung zu begrüßen, dass die Kirchen und kirchlichen Gemeinden auf dem Weg nicht innehalten und die im Widerspruch stehenden Unterschiede als Normalität oder das bestmögliche Ergebnis akzeptieren”. Allein durch jene menschlich unerklärliche Einheit der Jünger Jesu, die sich in der vollen Gemeinschaft des Glaubens, der Sakramente und der Sendung verwirklicht, offenbare sich das Wirken Gottes, das stärker sei als die der Welt immanenten Zerfallskräfte.
Abschließend formulierte der Heilige Vater folgenden Wunsch: „Möge das Jahr des Glaubens auch ein Beitrag zum Fortschritt auf dem ökumenischen Weg sein”. Als Voraussetzungen dafür nannte er „Geduld, Demut und Hingabe an den Willen des Herrn”. Laut dem Papst sei für diese drei Eigenschaften wie auch für die Neuevangelisierung die Bewegung der Umkehr als “aufrichtiger Willen zur Nachfolge Christi und vollkommene Zustimmung zum Willen des Vaters” erforderlich.
[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]
Dienstag, 13. November 2012
Merkel: Religionen „auf Augenhöhe"
Im Umgang der Religionen untereinander fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Toleranz und Respekt Differenzen dürften nicht zugedeckt werden, aber man müsse sich „auf Augenhöhe" begegnen, sagte die Kanzlerin am Samstag in ihrem wöchentlichen Video-Podcast „Und es muss die Kraft dazu bestehen, auch unterschiedliche Auffassungen zu benennen." Differenzen müssten nicht zugedeckt werden. Dazu müsse man sich auch mit anderen Religionen auskennen. Ausdrücklich begrüßte Merkel nicht nur christlichen, sondern auch islamischen Religionsunterricht an Schulen.
Merkel bekannte sich zudem zur Trennung von Kirche und Staat und bejahte die „positive Neutralität" des Staates gegenüber den Kirchen. „Das heißt, wir fördern religiöses Leben, wir freuen uns, wenn Kirchen Verantwortung übernehmen", sagte sie. In Deutschland sei dies sehr gut organisiert.
Die Kirchen müssten bereit sein, immer wieder über Grundfragen des Glaubens zu sprechen. „Man kann nicht mehr davon ausgehen, dass alle in der Gesellschaft alles, was wir an kirchlichen Feiertagen, an kirchlichen Bräuchen haben, auch wissen. Und da sollten Kirchen nicht hochmütig sein."
Die Kanzlerin rief die Kirchen zudem zu mehr Reformbereitschaft auf. „Ich glaube, die Kirche sollte fit sein, sich auch immer wieder neue Strukturen zu geben", sagte die CDU- Vorsitzende. Angesichts der sinkenden Zahl von Kirchensteuerzahlern fanden in der Evangelischen und Katholischen Kirche schon große Umstrukturierungen statt „Dennoch sind ja die meisten Menschen in Deutschland immer noch Mitglieder einer Kirche", sagte sie. Merkel wird an diesem Montag bei der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Timmendorfer Strand erwartet.
dpa/dapd
Neualphabetisierung
Metz: Neualphabetisierung vor Neuevangelisierung
Der Münsteraner Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz hält eine Neualphabetisierung unserer religiösen Sprache" für notwendig. Vor einer Neuevangelisierung müsse es eine solche Neualphabetisierung geben, sagte Metz in Mainz. „Wir haben für unsere Krise keine Sprache", so Metz. Es gelte, neu über Glauben und Unglauben zu reden, in einer Sprache, „die nicht vorgesprochen ist". Metz sprach bei einer Veranstaltung zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das am 11. Oktober 1962 eröffnet worden war.
Der Begründer der Neuen Politischen Theologie kritisierte, heute spreche die Kirche über Gewissens und Religionsfreiheit, wobei der Eindruck erweckt werde, beides sei eine Gabe des Konzils. Tatsächlich aber seien Gewissens- und Religionsfreiheit der katholischen Kirche „mit viel Leid abgenötigt worden". Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, Altbischof Wolfgang Huber, betonte, die Kirchenkrise sei im Kern eine Glaubenskrise. Die Christen seien „bis in die Pfarrerschaft" hinein „spröder" geworden, über Gott zu reden. Zugleich warnte Huber davor, in der Kirche nur Krisen zu thematisieren. Daraus könne eine Form von Undankbarkeit entstehen.
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann warnte davor, die Texte der Kirchenversammlung interessengeleitet als „Steinbruch" zu missbrauchen. Konservative und Progressive zitierten oft nur Textsplitter, ohne Auslassungen kenntlich zu machen. Notwendig sei aber, die Aussagen in ihren Zusammenhängen wahrzunehmen und das Konzil als Prozess zu begreifen. Die Texte hätten fast immer einen Konsenscharakter und eine eigene Hermeneutik.
KNA/Ökumenische Information/16. Oktober 2012
Montag, 5. November 2012
Toleranztest
Das geht ja gar nicht! Oder gerade noch...
Ein Test zum Jahr der Toleranz
Angenommen, Ihr Sohn Lukas hat einen Freund, der heißt Mehmet. Und mit Mehmet möchte Lukas unbedingt die bilinguale Schule besuchen, erste Fremdsprache Türkisch. Das finden Sie toll, weil Lukas so den Respekt vor anderen Kulturen lernt? Oder macht Ihnen das Sorgen? Gar nicht so einfach mit der Toleranz. Oder Sie wohnen in einer ruhigen Wohngegend neben einem kleinen Kindergarten. Süß, wie die Kleinen an St. Martin „Laterne, Laterne" singen. Jetzt wird daraus eine Ganztags-Kita, und die Kinder heulen schon morgens um sechs „Mama, nicht weggehen". Das tolerieren Sie, weil Kinderlärm Zukunftsmusik ist? Zwei von zehn Fragen, mit denen Sie Ihre Toleranz testen können. Den Test, entwickelt von zwei erfahrenen Psychologen, finden Sie auf: www.chrismon.de/spezial/toleranztest
Was hat denn der da auf dem Teller?
Echte Nachbarn wünschen einfach guten Appetit
Das Fenster zur Welt
50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil
„Was wäre wohl, wenn es das Zweite Vatikanische Konzil nicht gegeben hätte? und wo wäre die Kirche denn heute?“, so die berechtigte Frage eines interessierten Teilnehmers beim monatlichen Gespräch vom „forum thomas“ in Göppingen St. Maria. Die Einschätzungen über den Erfolg können nicht gegensätzlicher sein - für die einen zeigte sich eine weltoffene, den Problemen der Zeit zugewandte Kirche, für die anderen der Eckpunkt einer kirchlichen Anbiederung an den Zeitgeist und eine freiwillige Aufgabe von Glaubenstradition. Ganz gleich zu welcher Einschätzung man kommt, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das Papst Johannes XXIII. vor 50 Jahren, am 11.Okt. 1962, feierlich eröffnete, zählt jedenfalls zu den bedeutendsten kirchlichen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Der Zeitzeuge Pfr.i.R. Jürgen Mühlbacher, vormals Dekan und Klinikseelsorger, zeigte auf, wie das Konzil zustande kam. So sorgte sich der Papst „um die Zukunft seiner Kirche“, er spürte, „diese Kirche passt nicht mehr so richtig zur modernen Welt“. Sein Ziel war es „die Kirche wieder in die Gegenwart zu holen und sie den Menschen von heute wieder zugänglich zu machen“. Das Konzil soll, so will es Johannes der XXIII, nicht wie früher Lehrsätze aufstellen oder falsche Meinungen verurteilen, sondern „als Pastoralkonzil sich um eine passende Verkündigung des Glaubens in der heutigen Welt kümmern“. Bis es zum Endergebnis der insgesamt 16 Konzilsdokumente in Form von Erklärungen, Dekreten und Konstitutionen kam, mussten etliche Ungereimtheiten, Hindernisse und Klippen überwunden werden. Denn es gab nicht nur „Verstehens-Probleme“, sondern auch regelrechte Blockaden, Irritationen, Versuche zu bremsen und mehr, weiß Mühlbacher. Am 8.12.1965 war es dann soweit, mit einem feierlichen Gottesdienst auf dem Petersplatz wurde das Zweite Vatikanische Konzil beendet. In der Zwischenzeit starb Johannes der XXIII. und der neue Papst Paul VI führte das Konzil weiter. Einer der wichtigsten Sätze in „Gaudium et spes“, der sogenannten „Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute“, lautet: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände". Bei aller positiven Würdigung ist festzuhalten, so der Referent: „Es gibt noch manches zu klären, so das Verhältnis von Welt- und Ortskirche, die Reform der römischen Kurie, das Verhältnis von Papst und Bischöfen, die wenig durchsichtige Praxis der Bischofsernennungen, das Verhältnis von Priestern und Laien und die Situation der Frauen in der Kirche. Abschließend gibt Mühlbacher seine persönliche Einschätzung wieder: "Vor allem aber bedrängt weit über die Kirche hinaus viele Menschen die große Not, wie man angesichts heutiger Welterfahrung, bei all dem rasanten Erkenntnisgewinn der Wissenschaften, noch an Gott glauben kann“.
Felix Müller, Dekanatsreferent
Donnerstag, 7. Juni 2012
Provozierender Ruf zur Umkehr
Die Lage der großen Kirchen in Deutschland ist wahrhaft desaströs. Egal ob katholisch oder evangelisch, beide leiden an einem Vertrauensverlust und an der Teilnahmslosigkeit ihrer Mitglieder. Mit schonungslos offenen Fakten beschrieb Joachim Kunstmann, Pfarrer und Dozent für evangelische Religionspädagogik an der PH Weingarten, den Auszug der Christinnen und Christen aus ihren Kirchen. „Da gebe es nichts schön zu reden“, rief er den gut sechzig Teilnehmern zu, die am Montagabend zu seinem Vortrag beim forum thomas ins katholische Gemeindezentrum St. Maria in Göppingen gekommen waren.
„Was nutzen denn alle noch so schönen Bekenntnisse, Dogmen, Kirchenräume und Gottesdienste, wenn sie völlig an der Erfahrung und an den Bedürfnissen der Menschen von heute vorbeigehen?“ so Kunstmann. Ebenso provozierend sein Ruf zur Umkehr: „Nehmen wir endlich wieder Maß am Leben des Jesus von Nazareth und an seiner Botschaft vom Reich Gottes mitten unter uns“. „Der hinterließ ja schließlich keine ausgefeilte Lehre kein dogmatisches Lehrgebäude. Seine ganze Botschaft war Zeugnis dafür, dass Gott seiner Schöpfung nahe ist in allem und in allen. Sollte Kirche sich dann etwa begnügen mit Bekenntnissen, Lehraussagen, Gottesdiensten, Bildern und Zeugnissen aus Schrift und Tradition? Gerade die Nähe Gottes ist doch das, worauf die ganze Bibel, worauf auch das Zeugnis des Jesus von Nazareth hinweisen wollen. Nähe zeichnet ihn aus, den Gott, der Liebe ist“, betonte der Dozent aus Weingarten.
„Daran kranke Kirche im Kern, dass sie historisch bedingte Traditionen hüte, aber kaum mit der unmittelbaren Gegenwart Gottes im Hier und Jetzt rechne. Umkehr heiße, gemeinsam Erfahrungen der Nähe Gottes zu suchen und in den Austausch über die heilsame Begegnung mit ihm zu kommen. Das entspricht der frohen Botschaft des Jesus von Nazareth im Zeugnis der Schrift. Heilsame Begegnung ist dabei zu allen Zeiten für alle möglich. Ohne Zweifel können die christlichen Traditionen (Bibel, Bekenntnisse, Lehraussagen, Liturgien, Bilder usw.) auf diesem Weg hilfreich sein. Ja, sie sind ein echter Schatz und von einer oft kaum einholbaren Tiefe und bleibendem Wert, weil sie Zeugnis ablegen von der Geschichte Gottes mit den Menschen. Doch, sie sind Medien, nicht die Begegnung selbst. Es gilt, die Geschichte Gottes mit den Menschen fortzuschreiben, denn christliche Religiosität ist stets eine Inspiration, eine Erfahrung des Heiligen. Sie ist Wahrnehmung Gottes im Alltag, ist die Erfahrung, von Gott geliebt und im Leben willkommen zu sein. Überall dort, wo diese Erfahrung zur Sprache kommt, überall dort ist Kirche nicht eine kultivierte Sonderwelt, sondern lebendige Gemeinschaft, die zur Kommunikation ihrer heilsamen und froh machenden Erfahrungen drängt“, verdeutliche der evangelische Pfarrer seine Position.
Die anschließende Diskussion im forum thomas gab die innere Spannung zwischen dem bisweilen ängstlichen Festhalten am Überlieferten und der befreienden Glaubenserfahrung des mir nahen Gottes in zahlreichen Beiträgen wieder. Sie machte Mut für den Weg, den das Dekanat Göppingen-Geislingen im Diözesanen Dialogprozess beschreiten will: „Gemeinden sollen wieder zu lebendigen Erzählgemeinschaften und damit zukunftsfähig werden“.
Dienstag, 8. Mai 2012
9,5 Thesen zu einer Umkehr im christlichen Selbstverständnis
Provozierender Ruf zu angstfreier Lebendigkeit
Die oft bewundernswerte Arbeit in den christlichen Kirchen bleibt zunehmend ohne Resonanz. Die tiefen Schätze der christlichen Überlieferung sind inzwischen weitgehend unbekannt, auch unter Christen selbst, und trotz eines spürbar hohen allgemeinen religiösen Interesses. Ganz offensichtlich halten immer mehr Menschen das Christentum für belanglos im Blick auf ihr eigenes Leben. Strukturelle Reformen und innerkirchliche Ermutigungen reichen keineswegs aus, um diese Situation zu verändern; sie können das Problem auch verdecken. Es steht eine Korrektur des christlichen Selbstverständnisses an.
Das Christentum muss zu seiner Quelle zurückkehren.
Es muss sich wieder als ein Lebensvertrauen verstehen, das sich religiöser Erfahrung verdankt – und nicht als eine Überzeugung, die auf der Wahrheit von Überlieferungen beruht. Es muss die Menschen als Beteiligte, nicht als Zuhörer verstehen. Das Christentum muss daher klar und offen unterscheiden zwischen der Wahrnehmung Gottes und den Bekenntnissen, Sätzen, Ämtern, Gesten und allen Medien, durch die diese Wahrnehmung kommuniziert wird.
Referent: Prof. Dr. Joachim Kunstmann
Ordinierter Pfarrer und Dozent für evang. Religionspädagogik.
Päd. Hochschule Weingarten; jüngste Buchpublikation: Rückkehr der Religion. Glaube, Gott und Kirche neu verstehen.
Montag, 21. Mai 2012, 20:00 Uhr, Göppingen St. MariaKath. Gemeindezentrum Ziegelstraße 11
(Eingang neben Haupteingang Kirche)
Freitag, 4. Mai 2012
Grußwort netzwerk Arbeitswelt und der KAB zum 1. Mai 2012
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein herzlicher Gruß an Euch an diesem Tag des 1. Mai, dem Tag der Solidarität und der Arbeit, ein herzlicher Gruß von der Katholischen Kirche, dem netzwerk arbeitswelt als Nachfolger der Betriebsseelsorge, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB und der Evangelischen Kirche.
Und wir sagen Euch als katholische Kirche die Solidarität zu im Kampf um die Soziale Gerechtigkeit. Und Euer Motto und Forderung nach Gerechten Löhnen und sozialer Sicherheit passt zwingend in diese Zeit. Denn obwohl Teile der Wirtschaft boomen und Arbeitslosenzahlen zurückgehen, spaltet sich der Arbeitsmarkt immer mehr: Die Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse steigt, Leiharbeit nimmt bei eingeschränkter sozialer Absicherung zu, Armut und Altersarmut greifen um sich und die Würde des Menschen ist in Gefahr. Und daran wollen wir als Kirche keinen Zweifel lassen: Der Schöpfungsauftrag und die Möglichkeiten der menschlichen Entfaltung in Arbeit und Beruf ziehen zwingend würdevolle Arbeit für alle Menschen nach sich – und das mit auskömmlichen Löhnen. Und es gehört zu unseren Grundaussagen der christlichen Religionen, dass Armut ein Skandal und Eigentum eine Verpflichtung ist. Und schon deshalb sind wir, die Kirchen und Gewerkschaften, hier Verbündete für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, für unbefristete Übernahme von Auszubildenden, für gute Arbeitsbedingungen und für die Einführung von Mindestlöhnen. Und wir brauchen auch deshalb starke und handlungsfähige Gewerkschaften.
Wir freuen uns heute hier auf dem Schillerplatz bei Euch zu sein, auch wieder mit einem Stand, danken für Eure wichtige Arbeit und Euer Streiten für die Gerechtigkeit, danken für den Erlös der Bewirtung an die Aktion Rückenwind und wünschen Euch eine gute Veranstaltung.
Dialog mit der Jugend
Jugendliche haben durchaus Interesse am Glauben, zumal „das Bedürfnis an Sinnfindung allgegenwärtig ist“. Dies könne aber nur gelingen, wenn authentische Bezugspersonen für die kirchliche Jugendarbeit vorhanden sind, bestätigt Anne Lehmann; Geislingen.
Aus ihrer 4-jährigen Tätigkeit als Jugendreferentin im katholischen Dekanat Göppingen- Geislingen berichtet sie vor knapp 40 interessierten Zuhörern beim forum thomas in Göppingen, in welcher gesellschaftlichen Situation Jugendliche sich derzeit befinden, wie Jugendliche Kirche erleben und wohin letztlich kirchliche Jugendarbeit geht bzw. gehen kann. Die Lebenswirklichkeit der heutigen Jugend zeigt unter anderem, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Diese Polarisierung führt zu einem wachsenden Konfliktpotenzial“. Weiterhin so die Referentin, „der Anstieg von Arbeitsplätzen mit geringen Einkommen zwingt die Jugendlichen zudem zu flexiblen Arbeitsorte. Ebenso komme durch Globalisierung und Digitalisierung ein gestiegener Leistungs- und Bildungsdruck hinzu, somit sind Lebensläufe und Erwerbsbiografien weniger planbar. Familienplanung wird unsicher. Insgesamt könne man gut und gerne vom Aufwachsen der Jugendlichen unter erschwerten Bedingungen sprechen“, so die Referentin. In diese Lebenswirklichkeit hinein besteht kein großes Interesse an Kirche, die aufgrund aktueller Erhebungen vom „SINUS – Lebensweltenmodell u18“ als unnahbar, menschenferne Institution und mit alte Frauen und kalte Kirchengebäude assoziiert wird. Dies sei jedoch nur die eine Seite, die andere Seite der Medaille sei „die Sehnsucht auf Antworten in Glaubens- und Lebensfragen“, so Lehmann. Jugendliche unterscheiden, so die Studie, streng zwischen Religion und Glauben. Das Ergebnis der Studie sei: „Jugendliche greifen auf das zurück, was sie für sich gut empfinden, was ihnen bei Lebensbewältigung hilft und basteln somit einen eigenen Glauben aus religiösen und spirituellen Angeboten von verschiedenen Religionen zusammen. Der Glaube der Jugendlichen sei aber wesentlich spannender, weil alltagsnäher als Religion und Kirche“. Die Jugendreferentin empfiehlt, „mit der Jugend was zusammen zu machen, das heißt, die Verantwortlichen der Kirche müssen stärker eine „Geh-Hin-Kirche“ werden, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Die Verantwortlichen in den Gemeinden müssten fragen: „Wie sieht denn dein Glaube aus? Aber auch hilfreiche Antworten und Unterstützung auf Lebensfragen muss die Kirche gegen können und da sieht es zur Zeit sehr schlecht aus“, meint die Jugendreferentin. „Da es aufgrund des demographischen Wandels allein im Landkreis Göppingen in den nächsten 13 Jahren 27 % weniger Jugendliche geben wird, bleiben die Folgen für die Kirche nicht aus“, ergänzt die Referentin. Deshalb ist die dritte und stärkste Empfehlung von Frau Lehmann, „ die Beteiligung von Jugendlichen am Geschehen von Kirche zu ermöglichen“. Dass diese Fragen bereits 1985 in der diözesanen Synode über die „Weitergabe des Glaubens an die heutige Generation“ ein Thema war, machte Diakon Michael Feldmann in der Hinführung auf den Abend deutlich. Spannend wird sein, ob sich die Verantwortlichen der Kirchenleitung diesen den Anfragen der Jugendliche stellen werden.
Felix Müller Dekanatsreferent
Dienstag, 3. April 2012
Partnerschaftlich Kirche sein - Diakonat der Frau
„Partnerschaftlich Kirche sein“:
Unter diesem Motto begeht der Frauenbund den Tag der Diakonin am 29. April in Ulm.
Und macht damit deutlich: Es ist an der Zeit, Frauen endlich zur Diakoninnen zu weihen.
Und macht damit deutlich: Es ist an der Zeit, Frauen endlich zur Diakoninnen zu weihen.
Bislang bewegt sich nichts in Sachen Diakonat der Frau. So kommt es, dass Dokumente, die 40 Jahre alt sind, heute noch hochaktuell klingen. Zum Beispiel ein Text der Würzburger Synode, die von 1971-1976 tagte, mit dem Ziel, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils für Deutschland umzusetzen. Die Synode richtete damals ein Votum nach Rom und bat den Papst, „die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen. Eine Antwort auf dieses Schreiben bleibt der Vatikan bis heute schuldig. Nichts scheint sich zu bewegen. Oder doch? Um das Anliegen voranzutreiben, rief der Frauenbund 1998 den 29. April, das Fest der Heiligen Katharina von Siena,
zum "Tag der Diakonin ". Mit Gebeten, Gottesdiensten, Gesprächen bringen Frauen seitdem ihren Wunsch nach mehr Anerkennung in der Kirche jährlich neu ins Bewusstsein. Für den diesjährigen "Tag der Diakonin" laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das Anliegen bekommt einen neuen Schwung: Zum ersten Mal richtet der Frauenbund eine bundesweite Veranstaltung dazu aus. Und noch mehr: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat sich hinter das Anliegen gestellt und feiert mit. Mit seinem Votum für das Diakonat der Frau hebt das ZdK das Thema auch auf die Agenda des innerkirchlichen Dialogprozesses. Diesen hatte die Deutsche Bischofskonferenz im vergangenen Jahr begonnen, als Reaktion auf die Missbrauchsskandale in der Kirche. In Gesprächsrunde mit den Gläubigen geht es dabei um mögliche Reformen. Doch über die Möglichkeit, dass Diakonat für Frauen zu öffnen, scheinen die Bischöfe nicht diskutieren zu wollen. Sie sehen in dem Thema "in erhebliche Belastung für den innerkirchlichen Dialog", ließen sie ausrichten.
zum "Tag der Diakonin ". Mit Gebeten, Gottesdiensten, Gesprächen bringen Frauen seitdem ihren Wunsch nach mehr Anerkennung in der Kirche jährlich neu ins Bewusstsein. Für den diesjährigen "Tag der Diakonin" laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das Anliegen bekommt einen neuen Schwung: Zum ersten Mal richtet der Frauenbund eine bundesweite Veranstaltung dazu aus. Und noch mehr: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat sich hinter das Anliegen gestellt und feiert mit. Mit seinem Votum für das Diakonat der Frau hebt das ZdK das Thema auch auf die Agenda des innerkirchlichen Dialogprozesses. Diesen hatte die Deutsche Bischofskonferenz im vergangenen Jahr begonnen, als Reaktion auf die Missbrauchsskandale in der Kirche. In Gesprächsrunde mit den Gläubigen geht es dabei um mögliche Reformen. Doch über die Möglichkeit, dass Diakonat für Frauen zu öffnen, scheinen die Bischöfe nicht diskutieren zu wollen. Sie sehen in dem Thema "in erhebliche Belastung für den innerkirchlichen Dialog", ließen sie ausrichten.
weitere Informationen finden sie unter: http://www.diakonat.de/
Montag, 2. April 2012
Narrare humanum est – Gemeinden werden Erzählgemeinschaften
Narrare humanum est – Gemeinden werden Erzählgemeinschaften
Erzählen ist menschlich. Und Erzählen macht menschlich.
Erzählen benötigt Zeit. Und Erzählen überwindet Zeit.
Erzählen braucht Gemeinschaft. Und Erzählen schafft Gemeinschaft.
Die Kirche muss den Glauben dort weitergeben, wo er „nachgefragt" wird, und sie muss dies in einer verstehbaren Sprache tun, in der die Lebensrelevanz von Glaubensüberzeugungen deutlich wird. Die Kirche darf sich dabei weder den marktförmigen Gesetzen der Medienwelt noch den Maßstäben der „realen" Welt angleichen. Sie darf auch nicht einfach von zentralen Bekenntnissen abrücken, nur weil sie nicht mehr bekannt sind oder von vielen nicht mehr verstanden werden. Die Kirche muss vielmehr versuchen, das Evangelium „unverfälscht" (1 Tit 2, 7) und inhaltlich profiliert zu verkünden. Dazu gehört auch die Vermittlung religiösen Basiswissens an neuen, medial geprägten Lernorten des Glaubens - eine Vermittlung, in der Glaubensinhalte nicht als „Faktenwissen" aufbereitet, sondern vielmehr bezeugt und (vor)gelebt werden. Eine Kirche, die in diesem Sinne ein glaubwürdiges „Beispiel geben" will (2 Thess 3, 9), wartet nicht auf Menschen, die sie in ihren Gotteshäusern aufsuchen (sollen). Sie geht vielmehr Menschen nach, sie sucht sie selbst auf und lädt sie ein. Sie lebt, was sie lehrt, und will so ein „Vorbild" sein „in ihren Worten, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit" (1 Tim 4, 12)
Auferstehung
Die Auferstehung steht für den Weg vom Tod zum Leben, von der Verzweiflung zur Hoffnung, von der Finsternis zum Licht. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Kräfte des Lebens sind stärker. Der Frühling setzt sich gegen den Winter durch. Aus den Wurzeln der abgestorbenen Pflanze keimt neues Leben. Die Auferstehung symbolisiert die Hoffnung, die in mir lebendig ist.
„Am dritten Tage auferstanden von den Toten", heißt es im Glaubensbekenntnis von Jesus Christus. Was damals am Grab wirklich geschehen ist? Die Auferstehung lässt sich nicht beweisen, aber glauben. „Christus ist auferstanden!" Von diesem frohen Osterruf, wie er Ostern in allen Kirchen verkündet wird, haben Menschen sich anstecken lassen, haben den Tod abgeschüttelt und sind zum Leben auferstanden.
Auferstehung beginnt mitten im Leben. Es geschieht etwas in meinem Leben, das alles verändert. Es muss nichts Großes sein, und doch ist alles anders, weil ich es anders sehen kann. Das gibt mir den Mut, neue Wege zu gehen, und Kraft für einen neuen Anfang. Der Glaube an die Auferstehung ist eine innere Haltung. Ich sehe das Leben vor dem Horizont von Hoffnung und Liebe. Ich ersetze meinen Kleinmut durch Großmütigkeit.
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