Metz: Neualphabetisierung vor Neuevangelisierung
Der Münsteraner Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz hält eine Neualphabetisierung unserer religiösen Sprache" für notwendig. Vor einer Neuevangelisierung müsse es eine solche Neualphabetisierung geben, sagte Metz in Mainz. „Wir haben für unsere Krise keine Sprache", so Metz. Es gelte, neu über Glauben und Unglauben zu reden, in einer Sprache, „die nicht vorgesprochen ist". Metz sprach bei einer Veranstaltung zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das am 11. Oktober 1962 eröffnet worden war.
Der Begründer der Neuen Politischen Theologie kritisierte, heute spreche die Kirche über Gewissens und Religionsfreiheit, wobei der Eindruck erweckt werde, beides sei eine Gabe des Konzils. Tatsächlich aber seien Gewissens- und Religionsfreiheit der katholischen Kirche „mit viel Leid abgenötigt worden". Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, Altbischof Wolfgang Huber, betonte, die Kirchenkrise sei im Kern eine Glaubenskrise. Die Christen seien „bis in die Pfarrerschaft" hinein „spröder" geworden, über Gott zu reden. Zugleich warnte Huber davor, in der Kirche nur Krisen zu thematisieren. Daraus könne eine Form von Undankbarkeit entstehen.
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann warnte davor, die Texte der Kirchenversammlung interessengeleitet als „Steinbruch" zu missbrauchen. Konservative und Progressive zitierten oft nur Textsplitter, ohne Auslassungen kenntlich zu machen. Notwendig sei aber, die Aussagen in ihren Zusammenhängen wahrzunehmen und das Konzil als Prozess zu begreifen. Die Texte hätten fast immer einen Konsenscharakter und eine eigene Hermeneutik.
KNA/Ökumenische Information/16. Oktober 2012
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