Donnerstag, 29. November 2012

Kirchensteuer ist Vitalitätselexier

Ohne Geld geht nichts! Unumstritten ist sie aber keineswegs, die Kirchensteuer. Kritiker haben dabei grundsätzlich Einwände und argumentieren, dass sie der gebotenen Trennung von Kirche und Staat widerspreche. Die Mitglieder vom „forum thomas“ haben sich dieser Tage mit der Thematik auseinandergesetzt und den Redakteur der kirchenkritischen Zeitung „publik forum“, Thomas Seiterich, zum Gespräch geladen. Der Referent führte aus: „Jede Glaubensgemeinschaft benötigt für ihre Zwecke Geld. Die Sorge für die Gläubigen, ein lebendiges kirchliches Leben, Caritas und solidarische Hilfe gibt es nicht zum Nulltarif.“
Der Zeitungsredakteur erinnerte in seinem Referat an die deutsche Geschichte, die für die christlichen Kirchen ein einmaliges System der Kirchenfinanzierung hervorgebracht hat. „Ausgangspunkt der heutigen Kirchensteuer seien die Enteignungen der Kirche am Ende der napoleonischen Zeit. Die weltlichen Herren, denen das Kircheneigentum in die Hände fiel, sollten zur Entschädigung selbst für eine angemessene Ausstattung der Kirche sorgen. Bald begannen kleinere Territorialstaaten, den Kirchen ein Recht zur Steuererhebung einzuräumen. Das war die Geburtsstunde der Kirchensteuer, die dann in der Weimarer Reichsverfassung rechtlich verankert wurde und dies auch im heutigen Grundgesetz noch ist. Alle Bundesländer haben zur Ausführung die nötigen Landesgesetze geschaffen, deshalb schwanken die Prozentzahlen.“
Seiterich weiter: „Die Kirchensteuer macht ja im Wesentlichen die Sozialgestalt von Kirche aus. Deshalb beinhaltet die Thematik letztendlich immer auch das Thema „Kirche“ schlechthin, so wie wir sie uns vorstellen und wünschen.“
Deutschland ist im Vergleich eine sehr reiche Kirche, zumal sie bis zu einem Drittel den Vatikan mitfinanziert. Während man von der Kirche in Frankreich als einer armen Kirche sprechen kann, die aber demzufolge auch keine „Glaubwürdigkeitsprobleme“ hat, denn wer dort mitarbeitet, ist von der Sache Jesu echt überzeugt.
„Da die Kirchensteuer freiwillig sei, müsse man sie so wie einen Vereinsbeitrag sehen“, gibt Seiterich zu bedenken.
Es gäbe nämlich gewaltige Vorteile. „So ermögliche sie eine breite Präsenz, entlastet den Staat beträchtlich und trägt stark zum Gemeinwohl bei.“ Dennoch wird, nicht nur vom Referenten, „mehr Transparenz und Mitsprache über die Verwendung der Gelder“ gewünscht. Dieser Sachverhalt wird in Österreich gewährt. Dort müssen die Bischöfe gegenüber dem Kirchenvolk regelmäßig Rechenschaft über die verwendeten Gelder ablegen. Ebenso in der Schweiz geht das Geld von unten - von den Gemeinden - nach oben zur Diözese und beinhaltet damit eine gute basisdemokratische Regelung. Ergänzt wurde: „Das Kirchensteuersystem in Deutschland ist stark konjunktur- und steuerreformabhängig, jedoch auch sehr bequem, denn die Kirchen ersparen sich den direkten Kontakt mit den Gläubigen. Der Staat selber fährt sehr gut damit, nachdem er selbst drei Prozent der Geldmittel für sich beanspruchen darf.“ Abschließend wurde festgehalten: “Die Kirchensteuer ist keine Steuer des Staates, der Staat verdient nur daran. Politisch also ist das System in absehbarer Zeit nicht in Gefahr. Gleichwohl bleibt das deutsche Verfahren immer ein heikles Thema, dem nur durch Transparenz zu begegnen sei.“

Felix Müller, Dekanatsreferent

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