Freitag, 4. Mai 2012

Dialog mit der Jugend

Jugendliche haben durchaus Interesse am Glauben, zumal „das Bedürfnis an Sinnfindung allgegenwärtig ist“. Dies könne aber nur gelingen, wenn authentische Bezugspersonen für die kirchliche Jugendarbeit vorhanden sind, bestätigt Anne Lehmann; Geislingen.
Aus ihrer 4-jährigen Tätigkeit als Jugendreferentin im katholischen Dekanat Göppingen- Geislingen berichtet sie vor knapp 40 interessierten Zuhörern beim forum thomas in Göppingen, in welcher gesellschaftlichen Situation Jugendliche sich derzeit befinden, wie Jugendliche Kirche erleben und wohin letztlich kirchliche Jugendarbeit geht bzw. gehen kann. Die Lebenswirklichkeit der heutigen Jugend zeigt unter anderem, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Diese Polarisierung führt zu einem wachsenden Konfliktpotenzial“. Weiterhin so die Referentin, „der Anstieg von Arbeitsplätzen mit geringen Einkommen zwingt die Jugendlichen zudem zu flexiblen Arbeitsorte. Ebenso komme durch Globalisierung und Digitalisierung ein gestiegener Leistungs- und Bildungsdruck hinzu, somit sind Lebensläufe und Erwerbsbiografien weniger planbar. Familienplanung wird unsicher. Insgesamt könne man gut und gerne vom Aufwachsen der Jugendlichen unter erschwerten Bedingungen sprechen“, so die Referentin. In diese Lebenswirklichkeit hinein besteht kein großes Interesse an Kirche, die aufgrund aktueller Erhebungen vom „SINUS – Lebensweltenmodell u18“ als unnahbar, menschenferne Institution und mit alte Frauen und kalte Kirchengebäude assoziiert wird. Dies sei jedoch nur die eine Seite, die andere Seite der Medaille sei „die Sehnsucht auf Antworten in Glaubens- und Lebensfragen“, so Lehmann. Jugendliche unterscheiden, so die Studie, streng zwischen Religion und Glauben. Das Ergebnis der Studie sei: „Jugendliche greifen auf das zurück, was sie für sich gut empfinden, was ihnen bei Lebensbewältigung hilft und basteln somit einen eigenen Glauben aus religiösen und spirituellen Angeboten von verschiedenen Religionen zusammen. Der Glaube der Jugendlichen sei aber wesentlich spannender, weil alltagsnäher als Religion und Kirche“. Die Jugendreferentin empfiehlt, „mit der Jugend was zusammen zu machen,  das heißt, die Verantwortlichen der Kirche müssen stärker eine „Geh-Hin-Kirche“ werden, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Die Verantwortlichen in den Gemeinden müssten fragen: „Wie sieht denn dein Glaube aus? Aber auch hilfreiche Antworten und Unterstützung auf Lebensfragen muss die Kirche gegen können und da sieht es zur Zeit sehr schlecht aus“, meint die Jugendreferentin. „Da es aufgrund des demographischen Wandels  allein im Landkreis Göppingen in den nächsten 13 Jahren 27 % weniger Jugendliche geben wird, bleiben die Folgen für die Kirche nicht aus“, ergänzt die Referentin. Deshalb ist die dritte und stärkste Empfehlung von Frau Lehmann, „ die Beteiligung von Jugendlichen am Geschehen von Kirche zu ermöglichen“. Dass diese Fragen bereits 1985 in der diözesanen Synode über die „Weitergabe des Glaubens an die heutige Generation“ ein Thema war, machte Diakon Michael Feldmann in der Hinführung auf den Abend deutlich. Spannend wird sein, ob sich die Verantwortlichen der Kirchenleitung diesen den Anfragen der Jugendliche stellen werden.
Felix Müller Dekanatsreferent

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