Dienstag, 8. Mai 2012

9,5 Thesen zu einer Umkehr im christlichen Selbstverständnis

Provozierender Ruf zu angstfreier Lebendigkeit

Die oft bewundernswerte Arbeit in den christlichen Kirchen bleibt zunehmend ohne Resonanz. Die tiefen Schätze der christlichen Überlieferung sind inzwischen weitgehend unbekannt, auch unter Christen selbst, und trotz eines spürbar hohen allgemeinen religiösen Interesses. Ganz offensichtlich halten immer mehr Menschen das Christentum für belanglos im Blick auf ihr eigenes Leben. Strukturelle Reformen und innerkirchliche Ermutigungen reichen keineswegs aus, um diese Situation zu verändern; sie können das Problem auch verdecken. Es steht eine Korrektur des christlichen Selbstverständnisses an.
Das Christentum muss zu seiner Quelle zurückkehren.
Es muss sich wieder als ein Lebensvertrauen verstehen, das sich religiöser Erfahrung verdankt – und nicht als eine Überzeugung, die auf der Wahrheit von Überlieferungen beruht. Es muss die Menschen als Beteiligte, nicht als Zuhörer verstehen. Das Christentum muss daher klar und offen unterscheiden zwischen der Wahrnehmung Gottes und den Bekenntnissen, Sätzen, Ämtern, Gesten und allen Medien, durch die diese Wahrnehmung kommuniziert wird.

Referent: Prof. Dr. Joachim Kunstmann

Ordinierter Pfarrer und Dozent für evang. Religionspädagogik.
Päd. Hochschule Weingarten; jüngste Buchpublikation: Rückkehr der Religion. Glaube, Gott und Kirche neu verstehen.

Montag, 21. Mai 2012, 20:00 Uhr, Göppingen St. MariaKath. Gemeindezentrum Ziegelstraße 11
(Eingang neben Haupteingang Kirche)


Freitag, 4. Mai 2012

Grußwort netzwerk Arbeitswelt und der KAB zum 1. Mai 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein herzlicher Gruß an Euch an diesem Tag des 1. Mai, dem Tag der Solidarität und der Arbeit, ein herzlicher Gruß von der Katholischen Kirche, dem netzwerk arbeitswelt als Nachfolger der Betriebsseelsorge, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB  und der Evangelischen Kirche.
Und wir sagen Euch als katholische Kirche die Solidarität  zu im Kampf um die Soziale Gerechtigkeit. Und Euer Motto und Forderung nach Gerechten Löhnen und sozialer Sicherheit passt zwingend in diese Zeit. Denn obwohl Teile der Wirtschaft boomen und Arbeitslosenzahlen zurückgehen, spaltet sich der Arbeitsmarkt immer mehr: Die Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse steigt, Leiharbeit nimmt bei eingeschränkter sozialer Absicherung zu, Armut und Altersarmut  greifen um sich und die Würde des Menschen ist in Gefahr. Und daran wollen wir als Kirche keinen Zweifel lassen: Der Schöpfungsauftrag und die Möglichkeiten der menschlichen Entfaltung in Arbeit und Beruf ziehen zwingend würdevolle Arbeit für alle Menschen nach sich – und das mit auskömmlichen Löhnen. Und es gehört zu unseren Grundaussagen der christlichen Religionen, dass Armut ein Skandal und Eigentum eine Verpflichtung ist. Und schon deshalb sind wir, die Kirchen und Gewerkschaften, hier Verbündete für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, für unbefristete Übernahme von Auszubildenden, für gute Arbeitsbedingungen  und für die Einführung von Mindestlöhnen. Und wir brauchen auch deshalb starke und handlungsfähige Gewerkschaften.  
Wir freuen uns heute hier auf dem Schillerplatz bei Euch zu sein, auch wieder mit einem Stand, danken für Eure wichtige Arbeit und Euer Streiten für die Gerechtigkeit, danken für den Erlös der Bewirtung an die Aktion Rückenwind und wünschen Euch eine gute Veranstaltung.

Dialog mit der Jugend

Jugendliche haben durchaus Interesse am Glauben, zumal „das Bedürfnis an Sinnfindung allgegenwärtig ist“. Dies könne aber nur gelingen, wenn authentische Bezugspersonen für die kirchliche Jugendarbeit vorhanden sind, bestätigt Anne Lehmann; Geislingen.
Aus ihrer 4-jährigen Tätigkeit als Jugendreferentin im katholischen Dekanat Göppingen- Geislingen berichtet sie vor knapp 40 interessierten Zuhörern beim forum thomas in Göppingen, in welcher gesellschaftlichen Situation Jugendliche sich derzeit befinden, wie Jugendliche Kirche erleben und wohin letztlich kirchliche Jugendarbeit geht bzw. gehen kann. Die Lebenswirklichkeit der heutigen Jugend zeigt unter anderem, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Diese Polarisierung führt zu einem wachsenden Konfliktpotenzial“. Weiterhin so die Referentin, „der Anstieg von Arbeitsplätzen mit geringen Einkommen zwingt die Jugendlichen zudem zu flexiblen Arbeitsorte. Ebenso komme durch Globalisierung und Digitalisierung ein gestiegener Leistungs- und Bildungsdruck hinzu, somit sind Lebensläufe und Erwerbsbiografien weniger planbar. Familienplanung wird unsicher. Insgesamt könne man gut und gerne vom Aufwachsen der Jugendlichen unter erschwerten Bedingungen sprechen“, so die Referentin. In diese Lebenswirklichkeit hinein besteht kein großes Interesse an Kirche, die aufgrund aktueller Erhebungen vom „SINUS – Lebensweltenmodell u18“ als unnahbar, menschenferne Institution und mit alte Frauen und kalte Kirchengebäude assoziiert wird. Dies sei jedoch nur die eine Seite, die andere Seite der Medaille sei „die Sehnsucht auf Antworten in Glaubens- und Lebensfragen“, so Lehmann. Jugendliche unterscheiden, so die Studie, streng zwischen Religion und Glauben. Das Ergebnis der Studie sei: „Jugendliche greifen auf das zurück, was sie für sich gut empfinden, was ihnen bei Lebensbewältigung hilft und basteln somit einen eigenen Glauben aus religiösen und spirituellen Angeboten von verschiedenen Religionen zusammen. Der Glaube der Jugendlichen sei aber wesentlich spannender, weil alltagsnäher als Religion und Kirche“. Die Jugendreferentin empfiehlt, „mit der Jugend was zusammen zu machen,  das heißt, die Verantwortlichen der Kirche müssen stärker eine „Geh-Hin-Kirche“ werden, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Die Verantwortlichen in den Gemeinden müssten fragen: „Wie sieht denn dein Glaube aus? Aber auch hilfreiche Antworten und Unterstützung auf Lebensfragen muss die Kirche gegen können und da sieht es zur Zeit sehr schlecht aus“, meint die Jugendreferentin. „Da es aufgrund des demographischen Wandels  allein im Landkreis Göppingen in den nächsten 13 Jahren 27 % weniger Jugendliche geben wird, bleiben die Folgen für die Kirche nicht aus“, ergänzt die Referentin. Deshalb ist die dritte und stärkste Empfehlung von Frau Lehmann, „ die Beteiligung von Jugendlichen am Geschehen von Kirche zu ermöglichen“. Dass diese Fragen bereits 1985 in der diözesanen Synode über die „Weitergabe des Glaubens an die heutige Generation“ ein Thema war, machte Diakon Michael Feldmann in der Hinführung auf den Abend deutlich. Spannend wird sein, ob sich die Verantwortlichen der Kirchenleitung diesen den Anfragen der Jugendliche stellen werden.
Felix Müller Dekanatsreferent