1/12 Notizen in der katholischen Welt
Klima der Angst an einem Ort des Friedens
Kann denn Beten Sünde sein?
Seit Sommer des vergangenen Jahres ist jedoch Feuer unter dem Kapellendach. Der zum Seelsorger für die Gebetswache bestellte Franziskanerpater Hubert Wurz OFM musste gehen. „Einige wenige Gebetsmänner hätten ihn beim Apostolischen Nuntius angeschwärzt, er sei nicht fromm genug und überhaupt passe er nicht auf den Lindenberg“, erfuhr die Badische Zeitung dieser Tage von einem der Gebetsmänner. Schon vier Monate zuvor hatte das Katholische Männerwerk in einem Abschiedsartikel dankbar an die Zeit mit Pater Wurz erinnert (richtung 11/2011, 7). Recht hintergründig hieß es damals: „Die Diskussionen mit ihm erlebten viele Männer als eindrucksvoll. Sie sind gerne auf seine Einladung eingegangen, in offener Diskussion Fragen des Glaubens zu erörtern. So ist es ihm gelungen, vielen Männern hinsichtlich ihrer Fragen zur Kirche und zum Glauben in hilfreicher Weise Auskunft zu geben. Seine durchaus eigene, aber stets offene Art hat manchen Gebetsmann beeindruckt. Allerdings gab es auch Männer, die sich schwer taten mit seinen Ausführungen. So blieben Spannungen nicht aus.“
Der SWR hat das Thema nun ebenfalls für sich entdeckt. Die Landesschau vom 27. März berichtet im Film. Da heißt es, dem Pater werde vorgeworfen, er habe die Gemeinschaft der Gläubigen auf dem Lindenberg gespalten. Darum musste der Pater gehen. Der für das Erzbistum Freiburg sprechende Domdekan Andreas Möhrle äußert sich vor der Kamera zur Causa Wurz so: „Er hat in meinen Augen etwas, was aus seiner Sicht wichtig und richtig ist, vielleicht etwas zu intensiv und zu unabgesprochen praktiziert.“ Doch, Pater Wurz sei denunziert und angeschwärzt worden, wird weiter berichtet. Er habe anonyme Briefe bekommen, wie den im Film gezeigten, in dem steht: „Hat man mit Ihnen eine Gehirnwäsche vorgenommen oder sind Sie vom Teufel besessen? Mein Innerstes sagt mir, daß wenn Sie sich nicht bekehren, Sie in die Hölle kommen.“ „Worte“, so der Kommentator, „die offenkundig von religiöser Verblendung zeugen. Trotzdem wurde der Pater auf Geheiß der Freiburger Erzbischofs vom Lindenberg entfernt, ohne ihn selbst gehört zu haben.“ „Gebetsmänner sprechen seitdem von einem Klima der Angst auf dem Lindenberg. Aber, wie kann das sein an einem Ort des Friedens?“, fragt der Bericht. Ich lasse die Frage offen stehen.
Der Eindruck bleibt: Anonyme Denunzianten können in der katholischen Kirche Fakten schaffen. Beschuldigten wird kein fürsorgliches Gehör zuteil, der Bischof schweigt. Es reicht da schon, „in offener Diskussion Fragen des Glaubens zu erörtern“, um ein Amt zu verlieren, das man „vielleicht etwas zu intensiv und zu unabgesprochen praktiziert“. Genau so entsteht ein Klima der Angst, das jeden gut gemeinten Dialog zu Eis erstarren lässt. Am Ende des Films heißt es wieder einmal: „Die fromme Fassade hat Risse bekommen.“
Im Hintergrund:
Der Film:
Klima der Angst an einem Ort des Friedens
Klima der Angst an einem Ort des Friedens
Landesschau Baden-Württemberg
27.3.2012 | 18.45 Uhr |
Der Artikel in der Badischen Zeitung:
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