Donnerstag, 29. November 2012

Kirchensteuer ist Vitalitätselexier

Ohne Geld geht nichts! Unumstritten ist sie aber keineswegs, die Kirchensteuer. Kritiker haben dabei grundsätzlich Einwände und argumentieren, dass sie der gebotenen Trennung von Kirche und Staat widerspreche. Die Mitglieder vom „forum thomas“ haben sich dieser Tage mit der Thematik auseinandergesetzt und den Redakteur der kirchenkritischen Zeitung „publik forum“, Thomas Seiterich, zum Gespräch geladen. Der Referent führte aus: „Jede Glaubensgemeinschaft benötigt für ihre Zwecke Geld. Die Sorge für die Gläubigen, ein lebendiges kirchliches Leben, Caritas und solidarische Hilfe gibt es nicht zum Nulltarif.“
Der Zeitungsredakteur erinnerte in seinem Referat an die deutsche Geschichte, die für die christlichen Kirchen ein einmaliges System der Kirchenfinanzierung hervorgebracht hat. „Ausgangspunkt der heutigen Kirchensteuer seien die Enteignungen der Kirche am Ende der napoleonischen Zeit. Die weltlichen Herren, denen das Kircheneigentum in die Hände fiel, sollten zur Entschädigung selbst für eine angemessene Ausstattung der Kirche sorgen. Bald begannen kleinere Territorialstaaten, den Kirchen ein Recht zur Steuererhebung einzuräumen. Das war die Geburtsstunde der Kirchensteuer, die dann in der Weimarer Reichsverfassung rechtlich verankert wurde und dies auch im heutigen Grundgesetz noch ist. Alle Bundesländer haben zur Ausführung die nötigen Landesgesetze geschaffen, deshalb schwanken die Prozentzahlen.“
Seiterich weiter: „Die Kirchensteuer macht ja im Wesentlichen die Sozialgestalt von Kirche aus. Deshalb beinhaltet die Thematik letztendlich immer auch das Thema „Kirche“ schlechthin, so wie wir sie uns vorstellen und wünschen.“
Deutschland ist im Vergleich eine sehr reiche Kirche, zumal sie bis zu einem Drittel den Vatikan mitfinanziert. Während man von der Kirche in Frankreich als einer armen Kirche sprechen kann, die aber demzufolge auch keine „Glaubwürdigkeitsprobleme“ hat, denn wer dort mitarbeitet, ist von der Sache Jesu echt überzeugt.
„Da die Kirchensteuer freiwillig sei, müsse man sie so wie einen Vereinsbeitrag sehen“, gibt Seiterich zu bedenken.
Es gäbe nämlich gewaltige Vorteile. „So ermögliche sie eine breite Präsenz, entlastet den Staat beträchtlich und trägt stark zum Gemeinwohl bei.“ Dennoch wird, nicht nur vom Referenten, „mehr Transparenz und Mitsprache über die Verwendung der Gelder“ gewünscht. Dieser Sachverhalt wird in Österreich gewährt. Dort müssen die Bischöfe gegenüber dem Kirchenvolk regelmäßig Rechenschaft über die verwendeten Gelder ablegen. Ebenso in der Schweiz geht das Geld von unten - von den Gemeinden - nach oben zur Diözese und beinhaltet damit eine gute basisdemokratische Regelung. Ergänzt wurde: „Das Kirchensteuersystem in Deutschland ist stark konjunktur- und steuerreformabhängig, jedoch auch sehr bequem, denn die Kirchen ersparen sich den direkten Kontakt mit den Gläubigen. Der Staat selber fährt sehr gut damit, nachdem er selbst drei Prozent der Geldmittel für sich beanspruchen darf.“ Abschließend wurde festgehalten: “Die Kirchensteuer ist keine Steuer des Staates, der Staat verdient nur daran. Politisch also ist das System in absehbarer Zeit nicht in Gefahr. Gleichwohl bleibt das deutsche Verfahren immer ein heikles Thema, dem nur durch Transparenz zu begegnen sei.“

Felix Müller, Dekanatsreferent

Mittwoch, 28. November 2012

Aufbrechen ist die Bewegung des Glaubens

Beim jährlichen biblischen Studientag warb die Referentin Frau Anneliese Hecht vom Katholischen Bibelwerk bei den Hauptamtlichen des Katholischen Dekanats Göppingen-Geislingen: „Wir brauchen Visionen, denn ohne Visionen verkommt das Volk“, wie es bereits im Buch der Sprüche steht.
Selbst renommierte Hirnforscher bestätigen: „Die Kraft der inneren Bilder, die in unserem Gehirn entstehen, sind notwendig für das „Vorwärtskommen“. Nicht nur für die Kirche, gleichwohl selbige insgesamt abnimmt, sondern auch andere Gruppierungen und Gemeinschaften machen sich diesen Sachverhalt zu nutze.
Insgesamt lässt sich feststellen, so die Referentin: “Die „Graswurzelbewegung“ in der Kirche nimmt zu. Immer mehr kleine Gruppierungen entstehen und nehmen zahlenmäßig kräftig zu. „Jeder bringt seine Visionen ein, es werden Leben und Glauben geteilt“. Die weitgereiste Vertreterin des Bibelwerks bestätigt: „Es gibt viele kleine Aufbrüche. man kann es sogar jahreszeitlich deuten: „Die Knospen unter den Zweigen, wir nennen es Herbst, deuten das Neue, den Aufbruch, den Frühling, bereits an“.
In der Bibel lassen sich viele Hinweise finden, die als „Grundhaltung für uns Christen- das ständige Aufbrechen“, gelten.
Biblische Texte haben Menschen von alters her schon immer zum Aufbruch bewegt. Der erste Schritt sei jedoch das „Gottvertrauen“. Wir lernen bereits von den Urvätern und Urmüttern im Glauben, wie es gehen kann. Aufbrechen hat jedoch zwei Dimensionen, zum einem muss ich Altes zurücklassen, ich muss loslassen können, um Neues zu empfangen.
Wir Menschen brauchen auch stets eine geistige Hygiene, damit die Welt verändert werden kann. Menschen, die solche Visionen haben, setzen auf das „Gottvertrauen“, sie bilden überschaubare Gemeinschaften und letztendlich muss das Volk Gottes die Verantwortung selbst übernehmen. Deshalb ist Frau Hecht abschließend überzeugt: „Wir müssen mündige Christen heranbilden, wir können die Probleme nicht den Anderen überlassen und abschieben - denn schließlich und endlich sind es wir selbst „das auserwählte Volk Gottes, hierzu brauchen wir aber mehr Zeit für Gott.“

Felix Müller, Dekanatsreferent


Montag, 19. November 2012

Lammert: Kirchenspaltung muss überwunden werden

Lammert: Kirchenspaltung muss überwunden werden
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die fortdauernde Kirchenspaltung als den „großen Anachronismus unserer Zeit" bezeichnet. Die Zeit sei gekommen, diesen „Skandal der real existieren­den Christenheit" zu überwinden, sagte der CDU-Politiker am 10. November in München. Anlass war das zehnjährige Bestehen der Eugen-Biser-Stiftung, wo der Katholik mit dem nach dem Religionsphilo­sophen benannten Preis geehrt wurde. Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit der Christen geht nach Ansicht Lammerts jeden an. Sie müsse eine Sorge der ganzen Kirche sein, der Bischöfe und der Laien. Zwar sei er fest überzeugt, dass die Einheit wiederhergestellt würde, weil er den Heiligen Geist für stärker halte als die Theologie. Er fürchte jedoch, dass dies später der Fall sein werde als eigentlich möglich: „Die Begabung, an Zweit- und Drittrangigem festzuhalten, führt dazu, das Wesentliche aus dem Auge zu verlieren." Kritisch setzte sich der Bun­destagspräsident mit dem Zustand der katholischen Kirche 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auseinander. Damals hätten die Menschen eine Kirche im Aufbruch und der Öffnung zur Welt erlebt. Nie sei die Identifikation der Gläubigen mit ihrer Kirche so stark gewesen wie in diesen Jahren. Heute erlebten sie statt Aufbruch und Erneuerung Stagnation und Angststarre.
Lammert sprach von ei­ner „riesigen Zahl von engagierten Frauen, die von der Kirche nicht gewollt würden".
  KNA/13. November 2012

„Möge das Jahr des Glaubens auch ein Beitrag zum Fortschritt auf dem ökumenischen Weg sein”.

Die Einheit der Christen als Antwort auf die spirituelle Armut unserer Zeit
Möge das Jahr des Glaubens ein Beitrag zum Fortschritt des Ökumenismus werden
Von Salvatore Cernuzio
VATIKANSTADT, 16. November 2012 (ZENIT.org).- „Ein authentischer Weg der Ökumene kann nicht gegangen werden, wenn die in weiten Teilen der Erde herrschende Glaubenskrise ignoriert wird, von der auch jene Regionen betroffen sind, die die Verkündigung des Evangeliums zuerst aufnahmen und in denen das christliche Leben jahrhundertelang blühte”. Diese Botschaft richtete Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer an der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, die er am Vormittag des 15. November 2012 in Audienz empfangen hatte. Der Papst betonte, dass zugleich viele Zeichen auf ein Fortbestehen des Bedürfnisses nach Spiritualität hindeuten. Laut Benedikt XVI.  seien diese Zeichen vielgestaltig und können daher nicht außer Acht gelassen werden.
Den Anlass für seinen Appell lieferte dem Papst das Thema der Vollversammlung des Dikasteriums: „L’importanza dell’ecumenismo per la nuova evangelizzazione” (Die Bedeutung der Ökumene für die Neuevangelisierung). Dem Papst zufolge stehe diese Wahl im Einklang mit den Ergebnissen der jüngsten Bischofssynode und füge sich sehr gut in den Kontext des Jahres des Glaubens ein.
Die vom Heiligen Vater angesprochene spirituelle Armut, die darin bestehe, dass „das Fehlen von Gott im eigenen Leben nicht mehr als Mangel wahrgenommen wird” stellt alle Christen daher vor folgende Aufgabe: „Zeugnis für den lebendigen Gott abzulegen”
Der Heilige Vater betonte, dass vor diesem Hintergrund folgende Forderung für an Christus Glaubende entstehe: „Die Rückkehr  zum Wesentlichen, zum Herzen unseres Glaubens, um gemeinsam das Zeugnis jenes lebendigen Gottes in der Welt abzulegen, der uns kennt und der uns liebt, in dessen Blick wir leben und der Tag für Tag auf die Antwort unserer Liebe im Alltag wartet”.
Aus diesem Grund werde der Einsatz der Kirchen und der kirchlichen Gemeinden für eine erneuerte Verkündigung des Evangeliums für den Menschen der Gegenwart zu einem Grund der Hoffnung. Diesen Einsatz bezeichnete der Heilige Vater als „Notwendigkeit, die uns trotz der nach wie vor unvollkommenen Einheit der Kirche vereint”,  und die sogar die „dringlichste Notwendigkeit” für das christliche Volk darstelle.  
Eine sichtbare Einheit zwischen gespaltenen Christen sei nicht nur die wichtigste Grundlage für die Evangelisierung, sondern das Ziel der Ökumene. Auf das Dekret über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio” bezugnehmend, rief der Papst folgendes in Erinnerung: „die Spaltung zwischen den Christen steht im offenen Widerspruch zum Willen Christi. Sie ist ein Stein des Anstoßes in der Welt und fügt der heiligen Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums für alle Geschöpfe Schaden zu”. Laut dem Papst sei die Einheit jedoch kein Werk, das von uns Menschen leicht verrichtet werden kann, sondern ein Geschenk Gottes. Dieses könne allein vom Vater stammen und durch den Sohn zu uns gelangen. In diesem Lichte fügte der Papst folgenden Hinweis hinzu: „Der gemeinsame Weg zu diesem Ziel ist unter der Voraussetzung zu begrüßen, dass die Kirchen und kirchlichen Gemeinden auf dem Weg nicht innehalten und die im Widerspruch stehenden Unterschiede als Normalität oder das bestmögliche Ergebnis akzeptieren”. Allein durch jene menschlich unerklärliche Einheit der Jünger Jesu, die sich in der vollen Gemeinschaft des Glaubens, der Sakramente und der Sendung verwirklicht, offenbare sich das Wirken Gottes, das stärker sei als die der Welt immanenten Zerfallskräfte.
Abschließend formulierte der Heilige Vater folgenden Wunsch: „Möge das Jahr des Glaubens auch ein Beitrag zum Fortschritt auf dem ökumenischen Weg sein”. Als Voraussetzungen dafür nannte er „Geduld, Demut und Hingabe an den Willen des Herrn”. Laut dem Papst sei für diese drei Eigenschaften wie auch für die Neuevangelisierung die Bewegung der Umkehr als “aufrichtiger Willen zur Nachfolge Christi und vollkommene Zustimmung zum Willen des Vaters” erforderlich. 
[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]

Dienstag, 13. November 2012

Merkel: Religionen „auf Augenhöhe"

Die Kanzlerin fordert offenen Umgang und Reformbereitschaft bei den Kirchen.
Im Umgang der Religionen untereinander fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Toleranz und Respekt Differenzen dürften nicht zugedeckt werden, aber man müsse sich „auf Augenhöhe" begegnen, sagte die Kanzlerin am Samstag in ihrem wöchent­lichen Video-Podcast „Und es muss die Kraft dazu bestehen, auch unterschiedliche Auffas­sungen zu benennen." Differenzen müssten nicht zugedeckt werden. Dazu müsse man sich auch mit anderen Religionen auskennen. Ausdrücklich begrüßte Merkel nicht nur christlichen, sondern auch islamischen Reli­gionsunterricht an Schulen.
Merkel bekannte sich zudem zur Tren­nung von Kirche und Staat und bejahte die „positive Neutralität" des Staates gegenüber den Kirchen. „Das heißt, wir fördern religiö­ses Leben, wir freuen uns, wenn Kirchen Verantwortung übernehmen", sagte sie. In Deutschland sei dies sehr gut organisiert.
Die Kirchen müssten bereit sein, immer wieder über Grundfragen des Glaubens zu sprechen. „Man kann nicht mehr davon aus­gehen, dass alle in der Gesellschaft alles, was wir an kirchlichen Feiertagen, an kirchlichen Bräuchen haben, auch wissen. Und da sollten Kirchen nicht hochmütig sein."
Die Kanzlerin rief die Kirchen zudem zu mehr Reformbereitschaft auf. „Ich glaube, die Kirche sollte fit sein, sich auch immer wieder neue Strukturen zu geben", sagte die CDU- Vorsitzende. Angesichts der sinkenden Zahl von Kirchensteuerzahlern fanden in der Evangelischen und Katholischen Kirche schon große Umstrukturierungen statt „Dennoch sind ja die meisten Menschen in Deutschland immer noch Mitglieder einer Kirche", sagte sie. Merkel wird an diesem Montag bei der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Timmendorfer Strand erwartet.
                                                                                                                                 dpa/dapd

Neualphabetisierung

Metz: Neualphabetisierung vor Neuevangelisierung
Der Münsteraner Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz hält eine Neualphabetisierung unserer religiösen Sprache" für notwendig. Vor ei­ner Neuevangelisierung müsse es eine solche Neualphabetisierung geben, sagte Metz in Mainz. „Wir haben für unsere Krise keine Sprache", so Metz. Es gelte, neu über Glauben und Unglauben zu reden, in einer Sprache, „die nicht vorgesprochen ist". Metz sprach bei einer Veranstaltung zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das am 11. Oktober 1962 eröffnet worden war.
Der Begründer der Neuen Politischen Theologie kri­tisierte, heute spreche die Kirche über Gewissens und Religionsfreiheit, wobei der Eindruck erweckt werde, beides sei eine Gabe des Konzils. Tatsächlich aber seien Gewissens- und Religionsfreiheit der katholischen Kirche „mit viel Leid abgenötigt worden". Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, Altbischof Wolfgang Huber, betonte, die Kirchenkrise sei im Kern eine Glaubenskrise. Die Christen seien „bis in die Pfarrerschaft" hinein „spröder" geworden, über Gott zu reden. Zugleich warnte Huber davor, in der Kirche nur Krisen zu thematisieren. Daraus könne eine Form von Undankbarkeit entstehen.
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann warnte davor, die Texte der Kirchenversammlung interessengeleitet als „Steinbruch" zu missbrauchen. Konservative und Progressive zitierten oft nur Textsplitter, ohne Auslassungen kenntlich zu machen. Notwendig sei aber, die Aussagen in ihren Zusammenhängen wahrzunehmen und das Konzil als Prozess zu begreifen. Die Texte hätten fast immer einen Konsenscharakter und eine eigene Hermeneutik.
KNA/Ökumenische Information/16. Oktober 2012

Montag, 5. November 2012

Toleranztest


Das geht ja gar nicht! Oder gerade noch...
Ein Test zum Jahr der Toleranz
Angenommen, Ihr Sohn Lukas hat einen Freund, der heißt Mehmet. Und mit Mehmet möchte Lukas unbedingt die bilinguale Schule be­suchen, erste Fremdsprache Türkisch. Das finden Sie toll, weil Lukas so den Respekt vor anderen Kulturen lernt? Oder macht Ihnen das Sorgen? Gar nicht so einfach mit der Toleranz. Oder Sie wohnen in einer ruhigen Wohngegend neben einem kleinen Kindergarten. Süß, wie die Kleinen an St. Martin Laterne, Laterne" singen. Jetzt wird daraus eine Ganztags-Kita, und die Kinder heulen schon morgens um sechs Mama, nicht weggehen". Das tolerieren Sie, weil Kinderlärm Zukunftsmusik ist? Zwei von zehn Fragen, mit denen Sie Ihre Toleranz testen können. Den Test, entwickelt von zwei erfahrenen Psycho­logen, finden Sie auf: www.chrismon.de/spezial/toleranztest

Was hat denn der da auf dem Teller?
Echte Nachbarn wünschen einfach guten Appetit

Das Fenster zur Welt

50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil


„Was wäre wohl, wenn es das Zweite Vatikanische Konzil nicht gegeben hätte? und wo wäre die Kirche denn heute?“, so die berechtigte Frage eines interessierten Teilnehmers beim monatlichen Gespräch vom „forum thomas“ in Göppingen St. Maria. Die Einschätzungen über den Erfolg können nicht gegensätzlicher sein - für die einen zeigte sich eine weltoffene, den Problemen der Zeit zugewandte Kirche, für die anderen der Eckpunkt einer kirchlichen Anbiederung an den Zeitgeist und eine freiwillige Aufgabe von Glaubenstradition. Ganz gleich zu welcher Einschätzung man kommt, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das Papst Johannes XXIII. vor 50 Jahren, am 11.Okt. 1962, feierlich eröffnete, zählt jedenfalls zu den bedeutendsten kirchlichen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Der Zeitzeuge Pfr.i.R. Jürgen Mühlbacher, vormals Dekan und Klinikseelsorger, zeigte auf, wie das Konzil zustande kam. So sorgte sich der Papst „um die Zukunft seiner Kirche“, er spürte, „diese Kirche passt nicht mehr so richtig zur modernen Welt“. Sein Ziel war es „die Kirche wieder in die Gegenwart zu holen und sie den Menschen von heute wieder zugänglich zu machen“. Das Konzil soll, so will es Johannes der XXIII, nicht wie früher Lehrsätze aufstellen oder falsche Meinungen verurteilen, sondern „als Pastoralkonzil sich um eine passende Verkündigung des Glaubens in der heutigen Welt kümmern“. Bis es zum Endergebnis der insgesamt 16 Konzilsdokumente in Form von Erklärungen, Dekreten und Konstitutionen kam, mussten etliche Ungereimtheiten, Hindernisse und Klippen überwunden werden. Denn es gab nicht nur „Verstehens-Probleme“, sondern auch regelrechte Blockaden, Irritationen, Versuche zu bremsen und mehr, weiß Mühlbacher. Am 8.12.1965 war es dann soweit, mit einem feierlichen Gottesdienst auf dem Petersplatz wurde das Zweite Vatikanische Konzil beendet. In der Zwischenzeit starb Johannes der XXIII. und der neue Papst Paul VI führte das Konzil weiter. Einer der wichtigsten Sätze in „Gaudium et spes“, der sogenannten „Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute“, lautet: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände". Bei aller positiven Würdigung ist festzuhalten, so der Referent: „Es gibt noch manches zu klären, so das Verhältnis von Welt- und Ortskirche, die Reform der römischen Kurie, das Verhältnis von Papst und Bischöfen, die wenig durchsichtige Praxis der Bischofsernennungen, das Verhältnis von Priestern und Laien und die Situation der Frauen in der Kirche. Abschließend gibt Mühlbacher seine persönliche Einschätzung wieder: "Vor allem aber bedrängt weit über die Kirche hinaus viele Menschen die große Not, wie man angesichts heutiger Welterfahrung, bei all dem rasanten Erkenntnisgewinn der Wissenschaften, noch an Gott glauben kann“.
Felix Müller, Dekanatsreferent

Donnerstag, 7. Juni 2012

Provozierender Ruf zur Umkehr


Die Lage der großen Kirchen in Deutschland ist wahrhaft desaströs. Egal ob katholisch oder evangelisch, beide leiden an einem Vertrauensverlust und an der Teilnahmslosigkeit ihrer Mitglieder.  Mit schonungslos offenen Fakten beschrieb Joachim Kunstmann, Pfarrer und Dozent für evangelische Religionspädagogik an der PH Weingarten, den Auszug der Christinnen und Christen aus ihren Kirchen. „Da gebe es nichts schön zu reden“, rief er den gut sechzig Teilnehmern zu, die am Montagabend zu seinem Vortrag beim forum thomas ins katholische Gemeindezentrum St. Maria in Göppingen gekommen waren.

„Was nutzen denn alle noch so schönen Bekenntnisse, Dogmen, Kirchenräume und Gottesdienste, wenn sie völlig an der Erfahrung und an den Bedürfnissen der Menschen von heute vorbeigehen?“ so Kunstmann. Ebenso provozierend sein Ruf zur Umkehr: „Nehmen wir endlich wieder Maß am Leben des Jesus von Nazareth und an seiner Botschaft vom Reich Gottes mitten unter uns“. „Der hinterließ ja schließlich keine ausgefeilte Lehre kein dogmatisches Lehrgebäude. Seine ganze Botschaft war Zeugnis dafür, dass Gott seiner Schöpfung nahe ist in allem und in allen.  Sollte Kirche sich dann etwa begnügen mit Bekenntnissen, Lehraussagen, Gottesdiensten, Bildern und Zeugnissen aus Schrift und Tradition? Gerade die Nähe Gottes ist doch das, worauf die ganze Bibel, worauf auch das Zeugnis des Jesus von Nazareth hinweisen wollen. Nähe zeichnet ihn aus, den Gott, der Liebe ist“, betonte der Dozent aus Weingarten.

„Daran kranke Kirche im Kern, dass sie historisch bedingte Traditionen hüte, aber kaum mit der unmittelbaren Gegenwart Gottes im Hier und Jetzt rechne. Umkehr heiße, gemeinsam Erfahrungen der Nähe Gottes zu suchen und in den Austausch über die heilsame Begegnung mit ihm zu kommen. Das entspricht der frohen Botschaft des Jesus von Nazareth im Zeugnis der Schrift. Heilsame Begegnung ist dabei zu allen Zeiten für alle möglich. Ohne Zweifel können die christlichen Traditionen (Bibel, Bekenntnisse, Lehraussagen, Liturgien, Bilder usw.) auf diesem Weg hilfreich sein. Ja, sie sind ein echter Schatz und von einer oft kaum einholbaren Tiefe und bleibendem Wert, weil sie Zeugnis ablegen von der Geschichte Gottes mit den Menschen. Doch, sie sind Medien, nicht die Begegnung selbst. Es gilt, die Geschichte Gottes mit den Menschen fortzuschreiben, denn christliche Religiosität ist stets eine Inspiration, eine Erfahrung des Heiligen. Sie ist Wahrnehmung Gottes im Alltag, ist die Erfahrung, von Gott geliebt und im Leben willkommen zu sein. Überall dort, wo diese Erfahrung zur Sprache kommt, überall dort ist Kirche nicht eine kultivierte Sonderwelt, sondern lebendige Gemeinschaft, die zur Kommunikation ihrer heilsamen und froh machenden Erfahrungen drängt“, verdeutliche der evangelische Pfarrer seine Position.

Die anschließende Diskussion im forum thomas gab die innere Spannung zwischen dem bisweilen ängstlichen Festhalten am Überlieferten und der befreienden Glaubenserfahrung des mir nahen Gottes in zahlreichen Beiträgen wieder. Sie machte Mut für den Weg, den das Dekanat Göppingen-Geislingen im Diözesanen Dialogprozess beschreiten will: „Gemeinden sollen wieder zu lebendigen Erzählgemeinschaften und damit zukunftsfähig werden“.

Dienstag, 8. Mai 2012

9,5 Thesen zu einer Umkehr im christlichen Selbstverständnis

Provozierender Ruf zu angstfreier Lebendigkeit

Die oft bewundernswerte Arbeit in den christlichen Kirchen bleibt zunehmend ohne Resonanz. Die tiefen Schätze der christlichen Überlieferung sind inzwischen weitgehend unbekannt, auch unter Christen selbst, und trotz eines spürbar hohen allgemeinen religiösen Interesses. Ganz offensichtlich halten immer mehr Menschen das Christentum für belanglos im Blick auf ihr eigenes Leben. Strukturelle Reformen und innerkirchliche Ermutigungen reichen keineswegs aus, um diese Situation zu verändern; sie können das Problem auch verdecken. Es steht eine Korrektur des christlichen Selbstverständnisses an.
Das Christentum muss zu seiner Quelle zurückkehren.
Es muss sich wieder als ein Lebensvertrauen verstehen, das sich religiöser Erfahrung verdankt – und nicht als eine Überzeugung, die auf der Wahrheit von Überlieferungen beruht. Es muss die Menschen als Beteiligte, nicht als Zuhörer verstehen. Das Christentum muss daher klar und offen unterscheiden zwischen der Wahrnehmung Gottes und den Bekenntnissen, Sätzen, Ämtern, Gesten und allen Medien, durch die diese Wahrnehmung kommuniziert wird.

Referent: Prof. Dr. Joachim Kunstmann

Ordinierter Pfarrer und Dozent für evang. Religionspädagogik.
Päd. Hochschule Weingarten; jüngste Buchpublikation: Rückkehr der Religion. Glaube, Gott und Kirche neu verstehen.

Montag, 21. Mai 2012, 20:00 Uhr, Göppingen St. MariaKath. Gemeindezentrum Ziegelstraße 11
(Eingang neben Haupteingang Kirche)


Freitag, 4. Mai 2012

Grußwort netzwerk Arbeitswelt und der KAB zum 1. Mai 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein herzlicher Gruß an Euch an diesem Tag des 1. Mai, dem Tag der Solidarität und der Arbeit, ein herzlicher Gruß von der Katholischen Kirche, dem netzwerk arbeitswelt als Nachfolger der Betriebsseelsorge, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB  und der Evangelischen Kirche.
Und wir sagen Euch als katholische Kirche die Solidarität  zu im Kampf um die Soziale Gerechtigkeit. Und Euer Motto und Forderung nach Gerechten Löhnen und sozialer Sicherheit passt zwingend in diese Zeit. Denn obwohl Teile der Wirtschaft boomen und Arbeitslosenzahlen zurückgehen, spaltet sich der Arbeitsmarkt immer mehr: Die Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse steigt, Leiharbeit nimmt bei eingeschränkter sozialer Absicherung zu, Armut und Altersarmut  greifen um sich und die Würde des Menschen ist in Gefahr. Und daran wollen wir als Kirche keinen Zweifel lassen: Der Schöpfungsauftrag und die Möglichkeiten der menschlichen Entfaltung in Arbeit und Beruf ziehen zwingend würdevolle Arbeit für alle Menschen nach sich – und das mit auskömmlichen Löhnen. Und es gehört zu unseren Grundaussagen der christlichen Religionen, dass Armut ein Skandal und Eigentum eine Verpflichtung ist. Und schon deshalb sind wir, die Kirchen und Gewerkschaften, hier Verbündete für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, für unbefristete Übernahme von Auszubildenden, für gute Arbeitsbedingungen  und für die Einführung von Mindestlöhnen. Und wir brauchen auch deshalb starke und handlungsfähige Gewerkschaften.  
Wir freuen uns heute hier auf dem Schillerplatz bei Euch zu sein, auch wieder mit einem Stand, danken für Eure wichtige Arbeit und Euer Streiten für die Gerechtigkeit, danken für den Erlös der Bewirtung an die Aktion Rückenwind und wünschen Euch eine gute Veranstaltung.

Dialog mit der Jugend

Jugendliche haben durchaus Interesse am Glauben, zumal „das Bedürfnis an Sinnfindung allgegenwärtig ist“. Dies könne aber nur gelingen, wenn authentische Bezugspersonen für die kirchliche Jugendarbeit vorhanden sind, bestätigt Anne Lehmann; Geislingen.
Aus ihrer 4-jährigen Tätigkeit als Jugendreferentin im katholischen Dekanat Göppingen- Geislingen berichtet sie vor knapp 40 interessierten Zuhörern beim forum thomas in Göppingen, in welcher gesellschaftlichen Situation Jugendliche sich derzeit befinden, wie Jugendliche Kirche erleben und wohin letztlich kirchliche Jugendarbeit geht bzw. gehen kann. Die Lebenswirklichkeit der heutigen Jugend zeigt unter anderem, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Diese Polarisierung führt zu einem wachsenden Konfliktpotenzial“. Weiterhin so die Referentin, „der Anstieg von Arbeitsplätzen mit geringen Einkommen zwingt die Jugendlichen zudem zu flexiblen Arbeitsorte. Ebenso komme durch Globalisierung und Digitalisierung ein gestiegener Leistungs- und Bildungsdruck hinzu, somit sind Lebensläufe und Erwerbsbiografien weniger planbar. Familienplanung wird unsicher. Insgesamt könne man gut und gerne vom Aufwachsen der Jugendlichen unter erschwerten Bedingungen sprechen“, so die Referentin. In diese Lebenswirklichkeit hinein besteht kein großes Interesse an Kirche, die aufgrund aktueller Erhebungen vom „SINUS – Lebensweltenmodell u18“ als unnahbar, menschenferne Institution und mit alte Frauen und kalte Kirchengebäude assoziiert wird. Dies sei jedoch nur die eine Seite, die andere Seite der Medaille sei „die Sehnsucht auf Antworten in Glaubens- und Lebensfragen“, so Lehmann. Jugendliche unterscheiden, so die Studie, streng zwischen Religion und Glauben. Das Ergebnis der Studie sei: „Jugendliche greifen auf das zurück, was sie für sich gut empfinden, was ihnen bei Lebensbewältigung hilft und basteln somit einen eigenen Glauben aus religiösen und spirituellen Angeboten von verschiedenen Religionen zusammen. Der Glaube der Jugendlichen sei aber wesentlich spannender, weil alltagsnäher als Religion und Kirche“. Die Jugendreferentin empfiehlt, „mit der Jugend was zusammen zu machen,  das heißt, die Verantwortlichen der Kirche müssen stärker eine „Geh-Hin-Kirche“ werden, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Die Verantwortlichen in den Gemeinden müssten fragen: „Wie sieht denn dein Glaube aus? Aber auch hilfreiche Antworten und Unterstützung auf Lebensfragen muss die Kirche gegen können und da sieht es zur Zeit sehr schlecht aus“, meint die Jugendreferentin. „Da es aufgrund des demographischen Wandels  allein im Landkreis Göppingen in den nächsten 13 Jahren 27 % weniger Jugendliche geben wird, bleiben die Folgen für die Kirche nicht aus“, ergänzt die Referentin. Deshalb ist die dritte und stärkste Empfehlung von Frau Lehmann, „ die Beteiligung von Jugendlichen am Geschehen von Kirche zu ermöglichen“. Dass diese Fragen bereits 1985 in der diözesanen Synode über die „Weitergabe des Glaubens an die heutige Generation“ ein Thema war, machte Diakon Michael Feldmann in der Hinführung auf den Abend deutlich. Spannend wird sein, ob sich die Verantwortlichen der Kirchenleitung diesen den Anfragen der Jugendliche stellen werden.
Felix Müller Dekanatsreferent

Dienstag, 3. April 2012

Partnerschaftlich Kirche sein - Diakonat der Frau

„Partnerschaftlich Kirche sein“:
Unter diesem Motto begeht der Frauenbund den Tag der Diakonin am 29. April in Ulm.
Und macht damit deutlich: Es ist an der Zeit, Frauen endlich zur Diakoninnen zu weihen.
Bislang bewegt sich nichts in Sachen Diakonat der Frau. So kommt es, dass Dokumente, die 40 Jahre alt sind, heute noch hochaktuell klingen. Zum Beispiel ein Text der Würzburger Synode, die von 1971-1976 tagte, mit dem Ziel, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils für Deutschland umzusetzen. Die Synode richtete damals ein Votum nach Rom und bat den Papst, „die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen. Eine Antwort auf dieses Schreiben bleibt der Vatikan bis heute schuldig. Nichts scheint sich zu bewegen. Oder doch? Um das Anliegen voranzutreiben, rief der Frauenbund 1998 den 29. April, das Fest der Heiligen Katharina von Siena,
zum "Tag der Diakonin ". Mit Gebeten, Gottesdiensten, Gesprächen  bringen Frauen seitdem ihren Wunsch nach mehr Anerkennung in der Kirche jährlich neu ins Bewusstsein. Für den diesjährigen "Tag der Diakonin" laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das Anliegen bekommt einen neuen Schwung: Zum ersten Mal richtet der Frauenbund eine bundesweite Veranstaltung dazu aus. Und noch mehr: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat sich hinter das Anliegen gestellt und feiert mit. Mit seinem Votum für das Diakonat der Frau hebt das ZdK das Thema auch auf die Agenda des innerkirchlichen Dialogprozesses. Diesen hatte die Deutsche Bischofskonferenz im vergangenen Jahr begonnen, als Reaktion auf die Missbrauchsskandale in der Kirche. In Gesprächsrunde mit den Gläubigen geht es dabei um mögliche Reformen. Doch über die Möglichkeit, dass Diakonat für Frauen zu öffnen, scheinen die Bischöfe nicht diskutieren zu wollen. Sie sehen in dem Thema "in erhebliche Belastung für den innerkirchlichen Dialog", ließen sie ausrichten.
weitere Informationen finden sie unter: http://www.diakonat.de/

Montag, 2. April 2012

Narrare humanum est – Gemeinden werden Erzählgemeinschaften


Narrare humanum est – Gemeinden werden Erzählgemeinschaften
 
Erzählen ist menschlich. Und Erzählen macht menschlich.
Erzählen benötigt Zeit. Und Erzählen überwindet Zeit.
Erzählen braucht Gemeinschaft. Und Erzählen schafft Gemeinschaft.


Die Kirche muss den Glauben dort weitergeben, wo er „nachgefragt" wird, und sie muss dies in einer verstehbaren Sprache tun, in der die Lebensrelevanz von Glaubensüberzeugungen deutlich wird. Die Kirche darf sich dabei weder den marktförmigen Gesetzen der Medienwelt noch den Maßstäben der „realen" Welt angleichen. Sie darf auch nicht einfach von zentralen Bekenntnissen abrücken, nur weil sie nicht mehr bekannt sind oder von vielen nicht mehr verstanden werden. Die Kirche muss vielmehr versuchen, das Evangelium „unverfälscht" (1 Tit 2, 7) und inhaltlich profiliert zu verkünden. Dazu gehört auch die Vermittlung religiösen Basiswissens an neuen, medial geprägten Lernorten des Glaubens - eine Vermittlung, in der Glaubensinhalte nicht als „Faktenwissen" aufbereitet, sondern vielmehr bezeugt und (vor)gelebt werden. Eine Kirche, die in diesem Sinne ein glaubwürdiges „Beispiel geben" will (2 Thess 3, 9), wartet nicht auf Menschen, die sie in ihren Gotteshäusern aufsuchen (sollen). Sie geht vielmehr Menschen nach, sie sucht sie selbst auf und lädt sie ein. Sie lebt, was sie lehrt, und will so ein „Vorbild" sein „in ihren Worten, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit" (1 Tim 4, 12)

Auferstehung


Die Auferstehung steht für den Weg vom Tod zum Leben, von der Verzweiflung zur Hoffnung, von der Finsternis zum Licht. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Kräfte des Lebens sind stärker. Der Frühling setzt sich gegen den Winter durch. Aus den Wurzeln der abgestorbenen Pflanze keimt neues Leben. Die Auferstehung symbolisiert die Hoffnung, die in mir lebendig ist.

„Am dritten Tage auferstanden von den Toten", heißt es im Glaubensbekenntnis von Jesus Christus. Was damals am Grab wirklich geschehen ist? Die Auferstehung lässt sich nicht beweisen, aber glauben. „Christus ist auferstanden!" Von diesem frohen Osterruf, wie er Ostern in allen Kirchen verkündet wird, haben Menschen sich anstecken lassen, haben den Tod abgeschüttelt und sind zum Leben auferstanden.

Auferstehung beginnt mitten im Leben. Es geschieht etwas in meinem Leben, das alles verändert. Es muss nichts Großes sein, und doch ist alles anders, weil ich es anders sehen kann. Das gibt mir den Mut, neue Wege zu gehen, und Kraft für einen neuen Anfang. Der Glaube an die Auferstehung ist eine innere Haltung. Ich sehe das Leben vor dem Horizont von Hoffnung und Liebe. Ich ersetze meinen Kleinmut durch Großmütigkeit.


Samstag, 31. März 2012

Arbeitslosigkeit wirkt sich negativ auf Kinder aus

Unicef: Arbeitslosigkeit wirkt sich negativ auf Kinder aus
Die Arbeitslosigkeit von Eltern wirkt sich auch negativ auf das Wohlbefinden und die Entwicklung
der Kinder aus. Das geht aus dem „Unicef-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland"
hervor. Die Lebenssituation der Eltern bedrängt die Kinder demnach sowohl in ihrem Selbstwertgefühl
als auch in ihrer Bildung. Selbst eine gute Förderung in Kindertagesstätten und
Schulen könne „Defizite aufgrund mangelnder Teilhabe der Eltern nur begrenzt ausgleichen",
heißt es in der Studie. Dem Bericht zufolge ist das Wohlbefinden von Kindern in Städten tendenziell
schlechter als auf dem Land. Die Unterschiede zwischen den Kommunen seien teilweise
größer als unter einzelnen OECD-Staaten. Besonders lebenswert seien die Verhältnisse
in den vier südwestdeutschen Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und im
Saarland. Demgegenüber liegen Berlin, Sachsen-Anhalt und Bremen beim materiellen Wohlbefinden,
bei der Bildung und auch bei den Beziehungen zur Familie und zu Gleichaltrigen im
unteren Drittel. Untersucht wurden in der Studie die materielle Situation, Gesundheit und Sicherheit,
Verhalten und Risiken, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen
sowie das subjektive Wohlbefinden. Dazu hat die von Unicef beauftragte Humboldt-
Universität in Berlin Befragungen von Organisationen wie „pro Kids" ebenso wie Daten des
Statistischen Bundesamts ausgewertet. Weitere Infos zur Studie und den ausführlichen Bericht
finden Sie unter:
www.unicef.de/presse/2on/unicef-bericht-kinder-in-deutschla

Gesundheitsreligion

Dass viele Deutsche einem übertriebenen Gesundheits- und Fitness-Wahn verfallen sind, das
ist oft Thema in den Medien. Der katholische Theologe, Bestseller-Autor und Arzt Manfred Lütz
sagt es drastischer: Die heutigen Diätmoden überträfen „in ihrem Ernst die Büßer- und Geißlerbewegungen
des Mittelalters", so stellt er in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins
„Focus" fest. „Kein Zweifel, wir leben heute im Zeitalter der real existierenden Gesundheitsreligion.
All das, was man früher für den lieben Gott tat - wallfahren, fasten, gute Werke
verrichten -, das tut man heute für die Gesundheit", schreibt der Leiter einer Kölner Klinik.
Der Arzt und Theologe Lutz beobachtet bei vielen Menschen ein religiöses Vakuum, das sie
mit „Kunstprodukten" zu füllen versuchen - etwa einer „Gesundheitsreligion". Eine neuzeitliche
Variante des Strebens der Menschen nach Unsterblichkeit. Man versucht quasi das ewige Leben
im Diesseits zu produzieren, was natürlich ein völlig aussichtsloses Projekt ist. Tiefsinnig
und auch humorvoll beurteilt Lutz dieses Bemühen so: Es ist höchst anstrengend, sehr kostspielig,
sehr asketisch, und am Ende stirbt man leider doch. Freilich, auch wer gesund stirbt,
ist definitiv tot.
Dabei hat Lutz ganz und gar nichts gegen einen gesunden Lebensstil. Aber er beobachtet,
dass viele Menschen nicht begreifen, dass Gesundheit nur eine Rahmenbedingung für das
Leben ist, aber nicht das Leben selbst.

Donnerstag, 29. März 2012

miniatura                                    
1/12                                                              Notizen in der katholischen Welt


Klima der Angst an einem Ort des Friedens
Kann denn Beten Sünde sein?

Maria Lindenberg ist eine Wallfahrtskapelle bei St. Peter im Schwarzwald. Gruppenweise halten Männer dort seit 1955 ununterbrochen Eucharistische Anbetung. Die wochenweise Gebetswache für den Frieden und die Erneuerung der Kirche im Heiligen Geist wird getragen vom Katholischen Männerwerk der Erzdiözese Freiburg. "Seht, wie schön und wie gut es ist, wenn Brüder in Eintracht zusammen leben." Mit diesen Worten aus Psalm 133 beschreibt der Träger selbst diese Gemeinschaft unter Männern in reizvoller Umgebung.

Seit Sommer des vergangenen Jahres ist jedoch Feuer unter dem Kapellendach. Der zum Seelsorger für die Gebetswache bestellte Franziskanerpater Hubert Wurz OFM musste gehen. „Einige wenige Gebetsmänner hätten ihn beim Apostolischen Nuntius angeschwärzt, er sei nicht fromm genug und überhaupt passe er nicht auf den Lindenberg“, erfuhr die Badische Zeitung dieser Tage von einem der Gebetsmänner. Schon vier Monate zuvor hatte das Katholische Männerwerk in einem Abschiedsartikel dankbar an die Zeit mit Pater Wurz erinnert (richtung 11/2011, 7).  Recht hintergründig hieß es damals: „Die Diskussionen mit ihm erlebten viele Männer als eindrucksvoll. Sie sind gerne auf seine Einladung eingegangen, in offener Diskussion Fragen des Glaubens zu erörtern. So ist es ihm gelungen, vielen Männern hinsichtlich ihrer Fragen zur Kirche und zum Glauben in hilfreicher Weise Auskunft zu geben. Seine durchaus eigene, aber stets offene Art hat manchen Gebetsmann beeindruckt. Allerdings gab es auch Männer, die sich schwer taten mit seinen Ausführungen. So blieben Spannungen nicht aus.“

Der SWR hat das Thema nun ebenfalls für sich entdeckt. Die Landesschau vom 27. März berichtet im Film. Da heißt es, dem Pater werde vorgeworfen, er  habe die Gemeinschaft der Gläubigen auf dem Lindenberg gespalten. Darum musste der Pater gehen. Der für das Erzbistum Freiburg sprechende Domdekan Andreas Möhrle äußert sich vor der Kamera zur Causa Wurz so: „Er hat in meinen Augen etwas, was aus seiner Sicht wichtig und richtig ist, vielleicht etwas zu intensiv und zu unabgesprochen praktiziert.“ Doch, Pater Wurz sei denunziert und angeschwärzt worden, wird weiter berichtet. Er habe anonyme Briefe bekommen, wie den im Film gezeigten, in dem steht: „Hat man mit Ihnen eine Gehirnwäsche vorgenommen oder sind Sie vom Teufel besessen? Mein Innerstes sagt mir, daß wenn Sie sich nicht bekehren, Sie in die Hölle kommen.“ „Worte“, so der Kommentator, „die offenkundig von religiöser Verblendung zeugen. Trotzdem wurde der Pater auf Geheiß der Freiburger Erzbischofs vom Lindenberg entfernt, ohne ihn selbst gehört zu haben.“ „Gebetsmänner sprechen seitdem von einem Klima der Angst auf dem Lindenberg. Aber, wie kann das sein an einem Ort des Friedens?“, fragt der Bericht. Ich lasse die Frage offen stehen.

Der Eindruck bleibt: Anonyme Denunzianten können in der katholischen Kirche Fakten schaffen. Beschuldigten wird kein fürsorgliches Gehör zuteil, der Bischof schweigt. Es reicht da schon, „in offener Diskussion Fragen des Glaubens zu erörtern“, um ein Amt zu verlieren, das man „vielleicht etwas zu intensiv und zu unabgesprochen praktiziert“. Genau so entsteht ein Klima der Angst, das jeden gut gemeinten Dialog zu Eis erstarren lässt. Am Ende des Films heißt es wieder einmal: „Die fromme Fassade hat Risse bekommen.“

Im Hintergrund:
Der Film:
Klima der Angst an einem Ort des Friedens
Landesschau Baden-Württemberg
27.3.2012 | 18.45 Uhr |

Der Artikel in der Badischen Zeitung:

Informationen des Katholischen Männerwerks:

Samstag, 24. März 2012

Verschärft das Bittgebet die Gottes- und Glaubenskrise?

Montag, 26. März 2012, 20:00 Uhr
Göppingen St. Maria
Kath. Gemeindezentrum, Ziegelstraße 11
(Eingang neben Haupteingang Kirche)

Auch wenn die Naturwissenschaften nicht in der Lage sind, ein plausibles, geschlossenes Weltbild zu entwerfen, so muss man doch redlicherweise einräumen, dass es der Theologie schwerfällt, ja sogar unmöglich ist, ein Handeln oder Eingreifen Gottes in die Abläufe von Natur und Geschichte einsichtig zu machen.
Gesprächsimpuls:
Prof. Dr. Christoph Böttigheimer, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt